Winterrose

Was komponiert man so, nach einer grausamen Nacht, mittags in 90 Minuten zwischen aus dem Bett kriechen und zurück ins Bett kriechen?

Winterrose
für Streichquartett
op. 50

21 Gedanken zu „Winterrose

  1. Eine Winterrose, noch in vollendeter Schönheit, lässt sich auf Gedanken des Vergehens ein und träumt davon, wie sie im Frühjahr wieder treibt und im Sommer ihre herrliche Blütezeit erreicht – genau so könnte es sein, was du in deiner Musik ausgedrückt hast. Übrigens, ich liebe Streicher…habe selbst sieben Jahre Violine gelernt….
    Herzlichst, Edith

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      1. Nein, ich habe sie nie wieder angefasst. Damals sollte ich in die Großstadt in eine Musikschule, doch ich wurde sehr krank, chronisch krank. Ich wurde quasi vor die Wahl gestellt, Musik oder Gesundheit. Da legte ich die Violine weg und nahm sie nie wieder in die Hand…..
        Aber ich mache noch Musik, Akkordeon, Flöte, Gitarre, Mundharmonika, ach und noch einiges mehr, spiele ich aus Lust an der Freude. Mir wurde damals ein sehr außergewöhnlich gutes Gehör bestätigt, so konnte ich mir dann die Instrumente alle allein spielen lernen….. Ja, so ist das manchmal im Leben….
        Herzlichst, Edith

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  2. Für mein Empfinden klingt deine Musik nach einem sanften aber bestimmten Rückzug der Kräfte. Die Rose lässt das Vergängliche getrost der Vergänglichkeit anheimfallen und schafft genau durch diese Konzentration auf ihr Wesentliches die Voraussetzung dafür, dass sie sich zur gegebenen Zeit neu entfalten kann. So, wie es durch die Bilderfolge angedeutet wird.

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    1. An diesem Tag, in der Kürze der Zeit, und in dieser Verfassung, habe ich nichts bewusst intendiert. Nicht mal mit der Auswahl des Bildes. Wollte einfach nur Gedanken stoppen, und das tue ich immer mit komponieren. Ich hatte keine Idee einer Musik, selbst das Streichquartett als Besetzung wählte ich einfach so, gedankenlos. Ich setzte zwei Töne in der Bratsche, diatonisch, abwärts, langweilig. Zwei dazu in der Violine. Öde. Ton für Ton kam dazu, einfach alles simpel diatonisch abwärts. Aber es fing an zu fließen. Selbst Quint- und Oktavparallelen ließ ich einfach so stehen.
      Keine Ahnung, was da komponiert hat. Ja, es gab ein Geschehen, eine Verfassung. Aber keinen Verstand.
      Es gibt da einige Schwächen in dem Stück, aber offenbar ist für manche ein kleiner Zauber entstanden, auch für mich (nicht zum ersten Mal, u.a. Peccatum Angelicum war ja auch so eine seltsame Geschichte). Ähnliches wie du haben einige bemerkt. Ich glaube, lieber Random, du bist ein sehr genauer und empfindsamer Beobachter. Und vielleicht hast du Recht. Vielleicht hoffe ich es sogar. Manchmal würde ich Leute gerne einfach umarmen.

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      1. Hab’ ganz lieben Dank für deine ausführliche Antwort. 🙂 So ein kreativer Prozess ist oft ein wirksames Mittel gegen gedankliche Endlosschleifen. Manchmal einfach im Sinn einer Umleitung – die Aufmerksamkeit ist auf das Schaffen gerichtet und dem Gedankenkarussell wird schlicht die Energie entzogen. Es gibt aber auch diese Eigendynamik des Werks, die manchmal am besten gedeiht, wenn man kaum bewusst hineinregiert. Das ist dann sozusagen eine Win-win Situation, weil einerseits das Gedankenkarussell ein schlichtes aber effizientes „tacet“ in die Partitur geschrieben bekommt. Anderseits aber auch, weil sich im Werk etwas entwickeln kann, was man sich verstandesmäßig wohl eigentlich verbeten hätte. So sind die einzelnen Ingredienzen deiner Winterrose von einer Einfachheit, die fast schon provozierend wirken könnte. Aber sie wirken sinn-voll zusammen und es entsteht etwas Stimmiges.
        In diesem Zusammenhang ist für mich auch die „Deutungshoheit“ von Bedeutung. Wenn man die Be-Deutung auf etwas Bestimmtes festnagelt, wird sie gleichsam zum Sinuston. Der Klang entfaltet sich durch die Obertöne, also eine gewisse Vielfalt an Be-Deutungen. Meine Deutung basiert auf dem, was ich in der Natur spüre – aber sie lässt sich eben auch wieder auf das menschliche Leben übertragen.
        Mit einem herzlichen Gruß zum lichten Tag 🐻

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      2. Ja, beim Schaffen vergesse ich alles andere und selbst in Pausen arbeitet es unentwegt im Kopf weiter. Das kennen sicherlich viele Kreative.
        Was die Eigendynamik anbelangt, das Element des losgeleinten Unbewussten, hast du sicherlich Recht. Ich wundere mich oft, wie gut mein „schnell Hingeschludertes“ ankommt („Inner scene“ z.B. ist auch in nur 2 bis 3 Stunden entstanden) im Vergleich zu meinen langwierig entstandenen und ausgearbeiteten Kompositionen (wie z.B. die Elegie). Und sehr stimme ich dir zu, was die Be-Deutungen anbelangt. Wunderbar, wie du das Thema Obertöne nochmal aufgreifst und in den neuen Sinn übersetzt.
        Meinen herzlichsten Dank für deine Gedanken und Zeilen und ganz liebe Grüße an dich!

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  3. Da hast du ein wunderbares Werk geschaffen! Schönheit und Melancholie zugleich. Es wirkt so einfach. ich hab’s ,ehrmals gehört und es erscheint immer mehr dabei. Was du über künstlerische Prozesse an Random schreibst, kenne ich auch in der Malerei. Das kann man wahrscheinlich auf alle Künste übertragen. Ein kreativer Prozess im Fluss, ganz dabei ohne Gedanken, ohne Worte ist Erfüllung! Liebe Grüße, Petra

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