Das doppelte Wertherparadoxon

Man stelle sich einen Dichter vor, der schlagartig durch eine persönliche Katastrophe schlimmstes seelisches Leiden erfährt. Jeden Tag kämpft er dagegen an, sich das Leben zu nehmen… Ein paar Tage nach der Katastrophe setzt er sich hin, und binnen einer Woche entsteht in dieser seelischen Verfassung die heiterste und lebenslustigste Novelle seines bisherigen Schaffens. Auch… Weiterlesen Das doppelte Wertherparadoxon

Neue Namen

schwarzvogelschnabelmoosvollgrünatal vorbeian meinemnarzissengelb rotgleichraupentotblaugenoben lächeln. *** Ich bin kein Dichter, vermag nicht, was all meine dichtenden Blognachbarn so wunderbar vermögen. Und dann noch Neologismen einzustreuen, überhebe ich mich ohne Zweifel (trotz vom Klang kommend). Doch als ich am Morgen die Amsel sah, wie sie Moos aus der Wiese für ihr Nest zupfte, erwachten Geräusche und… Weiterlesen Neue Namen

Marginalie

„Aber es ist auch nicht grad unbedingt der Weltuntergang, wenn etwas passiert. Das Schlimmste passiert ja nicht immer. Glück im Unglück, das kannte man. Alle Artisten kennen das. Meine Tante Berta zum Beispiel, eine wunderschöne Frau war das und sang so schön, die ist vom Seil gefallen. Sie war dann überall gelähmt, aber singen konnte… Weiterlesen Marginalie

Seltsame Fragen

„Die aus der Empirie losgelösten Gefühle bilden die Substanz, durch deren ‚Sakralisierung‘ […] sich die ‚absolute‘ Musik zur Ahnung des ‚Absoluten‘ erhebt und dem Verdacht entgeht, ‚leere Form‘ zu sein.“ „Das Paradox, daß Zurücknahme Erhöhung bedeute, ist die Dialektik auf dem Grunde der poésie absolue wie der absoluten Musik.“ Carl Dahlhaus: Die Idee der absoluten… Weiterlesen Seltsame Fragen

Ebenen

„In den jüngeren Tagen der Welt, als Magie und Religion das Regiment führten, hatte man glauben können, dass Ungeheuer ein Gewissen hatten. Jetzt nicht mehr.“ Julian Barnes, Der Lärm der Zeit, btb Verlag, S. 219 Glücklich, wer die Dämmerung als Dunkelheit wähnt. Wer in Dunkelheit begeben wurde, sieht kein Licht, glaubt kein Licht, hofft kein… Weiterlesen Ebenen

Mensch, vergiss nicht…

Was geschieht mit dem Einzelnen, wenn eine Gesellschaft nach und nach ein „wahres Höheres“ vergisst? Wenn Ideale, Götter, philosophische oder spirituelle Utopien nur noch zur Diskursmaterie elitärer Zirkel werden, zu einem Thema zunehmend nicht mehr ernst genommener Randgruppierungen, oder gar missbräuchlich als manipulatives Lenkungsinstrumentarium unlauterer Eigeninteressen Verwendung finden? Hängen mögliche Antworten nicht wesentlich davon ab,… Weiterlesen Mensch, vergiss nicht…

Vergebene Liebesmüh: Vergiss diese Menschen

„Gott braucht die Menschen.“ – „jeden -?“ (Anfrage des Mörders.) Wolfdietrich Schnurre, Der Schattenfotograf, S. 23, Berlin Verlag Liebe heilt alles. Sagt man. Stimmt aber nicht. Bis vor kurzem hätte ich auch nicht geglaubt, dass es nicht stimmt. Doch es gibt tatsächlich Menschen, die können nicht lieben (und mitfühlen), bestenfalls oberflächlich. Sie haben keinen Zugang… Weiterlesen Vergebene Liebesmüh: Vergiss diese Menschen