Das Geschenk

Vom Träumen, Untergehen und Auftauchen

Dieser Beitrag ist nur für einen Leser, und der schreibt ihn gerade. Für andere dürfte das ziemlich uninteressant sein. Es ist ein letztes Mal ein sehr langer, sehr persönlicher Beitrag. Man kann ihn missverstehen, aber in meiner momentanen Verfassung, einer paradoxen Mischung aus totaler Übermüdung, Aufgeputschtsein durch Kortison, wattiertem Hirn durch Schmerzmittel und Depression, nehme ich das in Kauf. Ich schreibe ihn für mich; öffentlich nur, um mich nicht hinter meinem eigenen Schweigen verstecken zu können, um mich zu einem Bekenntnis zu zwingen.


Lass los die Sehnsucht

Flieg, Traum, weg von der Blüte der Zeit.
Fliegt, ihr Träume, aus den ersehnten Wünschen,
die einst das Herz umschlungen,
fliegt, wie der Windstoß verbläst die verwelkten Blätter.
Schwebt noch die Stimme tänzelnd im Raum
um des Herzens gewebten Pfad,
unter der Brust drückt die Hand
auf den blutenden Schnitt.
Härte dich ab gegen das Flüstern der Winde,
wenn sie von Liebe singen,
halte sie aus, die Träume, wenn sie von Sehnsucht erfüllt
dir ins Herz wiederkehren.
Denn was beweist schon dein Traum?
Zwischen Dunkel und Taglicht schwankt er,
tonlos und fern
und was er sinnt,
ist die Flucht aus der Zeit.

Sonja Dworzak


Das ist eines von den beiden Gedichten, die zwei Lyrikerinnen spontan zu meinem Adagio geschrieben haben. Ich war, um ehrlich zu sein, überwältigt von den Reaktionen zu meinem Stück, zu dem ich überlegt hatte, mich damit vom Komponieren zu verabschieden. Ich dachte, ich hätte musikalisch nichts mehr zu sagen, und bekomme genau das Gegenteil gesagt. Das Adagio ist bei weitem nicht mein bestes Werk, aber seltsamerweise das erfolgreichste, von den Zahlen der likes, der Kommentare bei YouTube und anderswo, und der Aufrufe pro Tag her. In der Facebook-Gruppe der „Contemporary composers“ schreibt z.B. ein Komponist: „Both Kraus and Collin have found, in the depths of their souls, a vein of beauty. It was believed that the mine was exhausted…“ und „Collin is a bit like the sculptor Rodin: he sculpts beauty with hammer and chisel, you [er spricht mich an], you are a painter, paysage, portrait, scène de genre…“.

Ist das so? Warum erwähne ich das? Nun, es hat mit Sonjas obigem Gedicht zu tun. Sie kennt in groben Zügen meine Geschichte, und schrieb dieses Gedicht an mich. Welchen meiner beiden aufgegebenen großen Lebensträume sie aus dem Adagio herausgehört hat, kann ich nur vermuten. Für mich spricht das Gedicht beide Träume an. Und damit wurde mir etwas so richtig bewusst.

Mein großer Lebenstraum war, Komponist zu werden. Diesen Traum gab ich vor 34 Jahren auf, wegen eines noch größeren, schließlich ebenfalls gescheiterten Lebenstraumes. Mit diesem endgültigen Scheitern vor knapp zwei Jahren begann ich wieder zu komponieren. Ohne Ambitionen, von aller Ideologie befreit, schrieb ich eine Musik nach der anderen und lud sie auf meinem YouTube-Kanal hoch, der eigentlich nur als „Lager“ für meine Website dienen sollte. „Das hört auf, wenn es Ihnen wieder besser geht“, sagte meine Psychologin, als ich noch in Behandlung wegen meiner Geschichte war. Doch es hörte nicht auf. Kaum war eine Musik fertig, schrieb ich schon die nächste. Auf die Qualität (und das ist in diesem Kontext wichtig) kam es gar nicht so an. Meine Marginalien kenne meine Leser ja. Ich komponierte einfach drauf los und lud es dann hoch. Auch, wenn ich so gut wie keine Zuhörer hatte. Abdulaziz Shabakouh („Aziz“) war einer der ersten meiner Zuhörer. „I’m addicted to your channel“ schrieb er schon ziemlich früh. Natürlich hatte ich nachgesehen, wer er ist. Ich schätze mal, dass ich deswegen seine Äußerung nicht so ernst nahm. Ich hatte noch nicht mal 10 Abonnenten, als eine bekannte New Yorker Konzertpianistin meinen Kanal abbonierte. Ich wurde nachdenklicher.

So ging es weiter, und es wurde zunehmend peinlich. Schon letztes Jahr schrieb Aziz mehrmals öffentlich, dass er mich „für einen der größten unter den 10 größten lebenden Komponisten halte“, und das lasen viele. So kamen nach und nach mehr auch professionelle Komponisten und Musiker dazu, und mehrfach wurde ich öffentlich mit „Maestro“ [ein Ehrentitel in der Musik, mit dem man Meister anredet] angeredet, was mir zutiefst peinlich war und jedesmal auf meine Gegenwehr stieß. Ich erkenne, wenn eine Musik meisterhaft ist, und meine ist es definitiv nicht. Und das ist keine Tiefstapelei.

Schon recht bald kam zu der Peinlichkeit ein Druck hinzu. Bei jedem Stück war ich unsicher (und bin es bis heute geblieben), ob es nicht viel zu schlecht ist, um es zu veröffentlichen. Doch wenn ich meine Unsicherheit kundtue, wird es nicht verstanden. Collin ist ein Profi, dessen Musik ich zutiefst verehre. Er antwortete auf meine Unsicherheit: „Unsicher? Solch ein Komponist, unsicher? Das ist ein Witz.“ „Kein Witz. Ich bin nur ein mittelmäßiger Freizeitkomponist“ antwortete ich. „Du leidest an übermäßiger Bescheidenheit“ entgegnete er. Tue ich das? Nein. Ich bin nicht mehr als mittelmäßig. Ich komme nachher darauf zurück.

Ich fing an, mich musikalisch „zu wehren“, schrieb so Unfug-Sachen wie „Sonata“ oder „Piano mouse“, einfach aus Spaß. Trotzdem ging es so weiter. SEOs und Social-Media-Manager kamen auf mich zu, um meinen Kanal bekannter zu machen, meine Aufrufzahlen, Abonnenten und likes in die Höhe zu treiben, was ich dankend ablehnte. Ja und dann schlug sogar der Grammy-Preisträger Fernando Otero auf meinem Kanal auf (der Grammy ist in der Musik das, was im Film ein Oscar ist; die höchste internationale Auszeichnung) , zeigte sich wiederholt begeistert von meiner Musik, und wollte mir sogar (wenn auch im Spaß) „alle Ideen klauen“. „Hallo? Geht’s noch?“, dachte ich, „der hat ’nen Grammy und schreibt sowas bei mir?“ Usw. usw.

Natürlich schmeichelt das alles. Aber noch viel mehr begann es, mich zu überfordern. Gefühlt entstand ein großer Druck, nun sehr auf Niveau und Qualität meiner Musik zu achten. Jedes Stück musste besser sein als das vorherige. Wieder wollte ich mich wehren mit Späßchen wie „Scared Patty“, „Black Night“ usw. Doch selbst solche Späßchen kamen trotz ihres niedrigen Niveaus manchmal überraschend gut an.

Und als ich dachte, nun habe ich vielleicht nichts mehr zu sagen, bei meinem Adagio, fanden sich wieder lobend neue Komponisten ein, darunter sogar K. James Peace . Zu diesem Zeitpunkt flossen durch solche und die vielen anderen Reaktionen bei mir viele Tränen.

Nun, vielleicht sind es tatsächlich narzisstische Anteile in mir, dass ich das alles so ausführlich schildere. Vielleicht versuche ich, das mit diesem Beitrag etwas abzuarbeiten. Denn da ist ein Stolz in mir, der nicht richtig ist. Aber wenn es so ist, dann ist das nicht der einzige Grund. Ich möchte damit verdeutlichen, wo ich losging, wie der Weg aussah, und wo ich hingekommen bin. Das war mir im Hinblick auf meinen damaligen Traum nicht bewusst. Bis zuletzt habe ich mit aller Festigkeit behauptet, mein Traum, Komponist zu werden, sei gescheitert. Erst mit den Reaktionen auf mein Adagio, und überdeutlich mit Sonjas Gedicht, in dem sie mich auffordert, mich gegen meine Träume abzuhärten, wurde mir klar: Nun, 34 Jahre nach Aufgabe des Traums, hat sich mein Traum -„Peng!“- einfach so und unverdient erfüllt. Ja, ich hatte die letzten 21 Monate komponiert. Aber ich war kein Komponist im Sinne meines Traums. Das bin ich erst seit letztem Wochenende.

Ich bin kein professioneller Komponist, schreibe nur in meiner Freizeit. Ich verdiene kein Geld damit und will das auch nicht. Außer mal ein Gitarrenstück wird meine Musik nicht aufgeführt. Meine Abonnentenzahlen und Aufrufe sind gering im Vergleich zu anderen. (Doch was heißt das schon? Klassische zeitgenössische Musik hat ohnehin wenig Hörer. Nicht wenige lassen ihre Zahlen künstlich in die Höhe treiben, und manchmal habe ich sogar mehr Aufrufe als die klassischen Arbeiten des Grammy-Gewinners Otero, dessen Musik ich übrigens sehr schätze. Aber viele andere haben, völlig zu Recht und verdientermaßen ehrliche hohe Zahlen). Nicht die Zahlen sind für mich das Maß. Sondern wer meine Musik in welcher Weise anerkennt. Vermutlich schreibe ich mich gerade um Kopf und Kragen…

Ich bin Komponist. Viele Menschen mögen meine Musik. Professionelle Musiker und Komponisten, darunter sogar bekanntere (die es nun wirklich nicht nötig haben, ausgerechnet bei mir nach Komplimenten für sich selbst zu fischen) schätzen meine Musik und behandeln mich wie ihresgleichen. Mein Traum hat sich erfüllt.

Und in diesem Moment der Erkenntnis kommt Sonja, und sagt, ich soll meinen Traum fortfliegen lassen. Und heute früh kommt Gisela mit ihrem heutigen Gedicht, und sagt, ich könne und solle nichts festhalten.

Nach den Reaktionen auf mein Adagio dachte ich tatsächlich, nun kann oder dürfe nichts mehr folgen. Allerdings hatte ich gleich danach schon wieder eine Idee für eine neue Musik. Zwei Leserinnen wissen das, und haben vergangenes Wochenende sogar schon das zentrale Motiv des neuen Stückes gehört, welches ich gestern Abend fertiggestellt habe. Darf ich es tatsächlich nicht zeigen?

Das ist mein Bekenntnis: Ich lasse meinen Traum los. Für ein paar Tage habe ich ihn ein wenig genossen. Ich komponiere weiter, aber will klar sehen. Ich bin nur ein mittelmäßiger Freizeitkomponist. Warum einige mich so überschätzten, ist mir ein Rätsel. So blind oder musikalisch ungebildet bin ich dann doch nicht. Irgendwelche Mechanismen wie Schwarmverhalten, oder was weiß ich, sind da im Gange, dir mir dennoch das Geschenk der Erfüllung meines Traumes machten. Dafür bin ich sehr dankbar.

Ich träumte. Ich ging unter, ich tauchte auf. Ich halte mich über Wasser, und manchmal tauche ich ein. Meine Traurigkeit wird mich vielleicht nie ganz verlassen. Aber das Glück scheint das irgendwie wohl auch nicht zu tun.


Ich habe überlegt, die Kommentarfunktion zu sperren. Lasse ich. Falls diesen ganzen Mist hier doch jemand gelesen haben sollte, und sich äußern möchte, habe ich eine Bitte: Kein Widerspruch zur Selbsteinschätzung meiner Musik. Ihr Mittelmaß ist objektiv und alles andere nur Höflichkeit. Punkt. Ohnehin gibt es auf diesen Beitrag nur einen einzigen sinnvollen Kommentar, und der lautet: „Meine Fresse, hat der Sorgen.“ 😁

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32 Gedanken zu „Das Geschenk

  1. Du bist wie du bist,
    du bist wer du bist Stefan
    und ich mag dich so wie du bist.
    Deine Musik berührt jedes Mal
    und so viele Menschen können nicht irren.
    Jetzt musst du nur noch an dich glauben.
    Geh deinen Weg so wie du dich dabei wohl fühlst,
    alles andere würde auf Dauer nicht funktionieren.

    Ganz liebe Grüße zu dir. 🙂🐾🍀

    Gefällt 3 Personen

    1. Ganz lieben Dank Nati! ❤️
      Ich will den Hörern nicht ihre Gefühle absprechen. Das ist aber unabhängig davon, dass die Qualität meiner Musik oft überschätzt wird. Und da dulde ich keinen Widerspruch! 😂 Mein Weg soll der des Realismus sein. Mittelmaß mit Spaß. 😂
      Ganz liebe Grüße auch an dich 🙂🐾🍀

      Gefällt 2 Personen

    1. Ganz lieben Dank!
      Ein paar objektive Kriterien gibt es schon in der klassischen Musik. Ein gutes Handwerk z.B., wie Harmonielehre, Stimmführung, Instrumentierung usw. Und ein Gespür dafür, ob ein Werk Tiefe hat oder nur an der Oberfläche rumdümpelt – unabhängig vom je eigenen Geschmack – haben sehr viele, die in der Klassik drin stecken, was eine Art statistische Annäherung an Objektivität sein könnte.

      Gefällt 1 Person

  2. Lieber Stefan, ich denke nicht, dass man eine Berufung einfach gehen lassen kann. Dann müsste man sterben und alles mitnehmen. Es ist Teil von uns – für mich ein Geschenk des Großen Geistes.
    Leid und Schmerz haben uns erst zu solch tiefen Empfindungen gebracht. Es sind nicht nur Träume, die aus uns herausfließen, in Wort oder Klang. Es sind Farben des Lebens, mit der wir die Welt bunter malen dürfen. Auch, wenn unsere weltlichen Träume nicht erfüllt wurden, haben wir aus unserem ‚Dunkelsein‘ (wie Rilke es nannte) Kraft geschöpft und sind daran gewachsen. Unsere Lebenselixiere sind die Musik und die Poesie, deren Musen uns auf Händen tragen. Tue es für Dich, denn alles, was Dir gelingt, wird Dich berühren❣

    Ansonsten halte ich es mit Friedrich von Schiller: „Kannst du nicht allen gefallen durch deine Tat und dein Kunstwerk, mach es wenigen recht; vielen gefallen ist schlimm.“

    Gefällt 4 Personen

    1. Liebe Gisela,
      es war in der Tat gestern früh dein Gedicht, dass diesem Beitrag den letzten Schubs gab. Du hast mit deinem Kommentar Recht, und ebenso mit deinem Gedicht. Meine Leidenschaft für die Musik bleibt, doch der Traum darf nun gehen. Was mehr als 30 Jahre schwelte: Damit kann ich nun Frieden schließen. Und auch damit hast du Recht: Ohne den Schmerz hätte mein Traum sich nicht erfüllen können. Dort, wo sich ein wenig Tiefe finden lässt in meiner Musik, kommt sie aus dem Schmerz. Meine Musik ist daran gewachsen.
      Von ganzem Herzen meinen Dank an dich. ❤️

      Gefällt 1 Person

      1. Vor Jahren hatte ein mir unbekannter Schuljunge eines meiner Frühlingsgedichte auswendig gelernt. Ich habe mich sehr darüber gefreut, musste ihn jedoch enttäuschen, weil ich keinen großen Namen trage. Seitdem denke ich, wenn ich nur einen einzigen Menschen durch mein Schreiben erfreuen kann, dann hat es sich gelohnt. Genauso solltest Du denken. Bitte gebe nur Deine großen Träume auf. Deine Begabung teile im kleinen Kreis der Hörer.
        💕 Gisela

        Gefällt 2 Personen

  3. Was heißt denn „Mittelmaß“? Und müssen wir wirklich immer alles „messen“? Und wer oder was ist der „Maßstab“?
    Ich habe übrigens das umgekehrte Problem: Meine Texte werden (teilweise weit) unterschätzt und von einigen Personen auch noch immer mal wieder bewusst „schlecht kommentiert“.
    Und sich dagegen zu wehren, ist noch viel schwieriger, – denn uns wurde leider beigebracht, dass Bescheidenheit eine Tugend sei…. . Tatsächlich ist sie aber oft genug nur ein übles Hindernis dabei, sich gut zu fühlen … . 😉💌. (Denn die Bescheidenheit, für die jede Form von Anerkennung wirklich unwichtig geworden ist, die würde eine Bewusstseinsstufe voraussetzen, von der ich persönlich zumindest niemanden kenne, der diese auch nur entfernt erreicht hat.)

    Gefällt 4 Personen

    1. Ob und wie wir messen, liebe Maren, hängt natürlich immer vom Kontext ab. Meinen Maßstab lege ich in der Regel ab, wenn ich Musik höre um Musik zu hören, und wende ihn an, wenn ich mit jemandem z.B. über die handwerkliche Qualität eines Stückes diskutiere.
      Für mich ist Bescheidenheit eine Tugend. Ich glaube, so etwas lässt sich aber nicht isoliert diskutieren.
      Ganz lieben Dank an dich!

      Gefällt 1 Person

  4. Jenseits von Gut und Schlecht, von Meister und Dilettant, von Sein und Schein hoffe ich auf das Land, in dem wir einander ernst nehmen, ohne einander zu beurteilen. Dieses Reich, in dem wir ohne Angst verschieden sein können: ist es nicht gegründet in der Kunst?
    Alles hinter sich lassen und frei zu werden: kann dies nicht gelingen, wo wir zur Sprache kommen?
    Wo wir unsere Leben in Rede und Widerrede ineinander verweben, bis die Liebe reißfest wird?
    Prove that i lie.
    LG Michael

    Gefällt 6 Personen

    1. Es gibt nichts zu beweisen, lieber Michael. Ich glaube sagen zu dürfen, dass ich das, was du schreibst, lebe.
      Für mich gibt es da mehrere Ebenen. Dieses Land und dieses Reich ist der Ort der Begegnung, der Verbindung, des Erntens. Dann sind da aber auch noch die Äcker und die Werkstätten, in denen sich die Bauern und Handwerker fachlich austauschen. Und dort sagt der eine zum anderen auch schon mal, dass dieser Schuh nicht halten wird, weil er schlecht verleimt ist. Und schließlich war da noch der junge Träumer, der die Werkstätten gerne einmal betreten würde, um dort mitzuarbeiten; und der im Alter wohl noch unverarbeitete, naive Traumreste in sich findet. Mein Beitrag ist kein Plädoyer für eine Art des Umgangs mit Kunst, sondern mit mir selbst. Ich war unklar, entschuldige. Was du erhoffst, erhoffe auch ich.
      Von Herzen meinen Dank, und liebe Grüße an dich!

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      1. Ich sehe da keinen Unterschied: mit sich selbst umgehen, mit der Kunst umgehen… ist wesentlich das Selbe.
        Ich beharre auf den Unterschied zwischen poiesis und praxis…
        Vorausgesetzt Kunst sei der Ausgang des Kreativen aus Kitsch und Klischee: dann wird der schlecht verleimte Schuh zum off-beat…
        Wolfgang Riehm hat einmal beim Heidelberger Frühling behauptet, man könne nichts mehr komponieren für die Besetzung des Klavier-Trios: es sei alles gesagt.
        Im Anschluss stellte eine Komponistin ihr neues Werk vor: geschrieben für Klavier-Trio.
        Und jetzt?
        LG Michael

        Gefällt 1 Person

      2. Du bringst eine Art Definition von Kunst hier ein, unter welcher ich dir nicht widerspreche. Fasse ich den Begriff weiter, kann ich zu anderen Ergebnissen kommen (bringt diese Definition nicht auch eine Wertung ins Spiel? Wer zieht die Grenzen zu Kitsch und Klischee?).
        Riehm äußert sich in der Werkstatt. Die Komponistin antwortet mit der Ernte. Hätte sie Riehm nur gefragt „Warum?“, wäre sie im Raum der Werkstatt. Geht alles, ich sehe da kein Problem.
        Aber ich denke ich weiß, was du sagen willst. Ich danke dir sehr.
        Ganz liebe Grüße an dich!

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  5. Du komponierst. Ergo bist du Komponist. Und du bist Mensch, also möchtest du geliebt werden.
    Was hast du mir kürzlich gesagt zu meiner “Klimperei”? Der Spaß, die Freude am kreativen Prozess sind essentiell.
    Ich könnte dir zu deinem mutigen Text ganz viel schreiben, das weißt du. Es würde jedoch nichts an deiner Selbstwahrnehmung und deinen Zweifeln ändern. Auch wenn ich dir, wie viele andere hier sage, wie sehr ich dein Sein u d deine Kunst schätze, welche Kraft und Inspiration du damit stiftest, was du bei mir damit ausgelöst und ins Fließen gebracht hast. Wie groß dein Anteil als Mensch UND Komponist daran ist, dass ich mich hier so entfalte, wie ich es tue, in besagter Heiliger Peinlichkeitsmanier,

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  6. es würden die Zweifeln in dir bleiben – so lange, bis du frei wirst und es dir – excuse my french- am Hintern und vor allem am Herzen vorbei geht, wer was wozu sagt oder denkt.
    Du lieber Stefan wirst geschätzt und geliebt! Deine Verletzungen und Schmerzen sind UNSERE.
    Guck. Jetzt hab ich mich um Kopf und Kragen geschrieben.

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    1. Ich bin dir so dankbar für deine Worte, liebe Christine. Das bedeutet mir sehr viel.❤️
      Ja, vieles kann man nur wahrnehmen, wenn man selbst ähnliches erlebt hat. Ich erlebe, dass es immer Menschen gibt, die wahrnehmen, die einen aufheben, stützen, tragen. Von ganzem Herzen meinen Dank!

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  7. Deine kraftvolle und ausdrucksstarke Wasser-Musik ist, wie ich finde, hier sehr vielsagend. Dieses Eintauchen ohne unterzugehen. Die verschiedenen Phasen des Erlebens. Spannung, aber auch Geborgenheit und letztlich eine Art Ur-Vertrauen. Das Auftauchen als Wohltat, weil man doch für das Leben unter Wasser nicht die physischen Voraussetzungen mitbringt. Das Auftauchen aber auch als Moment (kurzfristiger) Frustration, weil es nur aus Notwendigkeit geschieht und man sich im Wasser doch sehr in seinem Element fühlt. Diese Musik will sich auch nicht zielstrebig in eine bestimmte Himmelsrichtung bewegen. Vielleicht, weil eh klar ist, dass man in keiner der Himmelsrichtungen den Himmel erreicht. Da ist es besser, in seinem Element zu bleiben, verschiedene Schichten und Tiefen zu erkunden, die dem verborgen bleiben, der an der Oberfläche bleibt. Und in der Musik ergibt sich auch ganz natürlich ein gesundes Mittel-Maß zwischen untertauchender Erkundung und atemschöpfendem Auftauchen.
    [Sehr schön finde ich übrigens auch, dass das Wasser sogar im Titel seinen Platz gefunden hat: cadEAU 😀 ]

    Gefällt 3 Personen

    1. Sogar das Wasser im Titel hast du entdeckt. Ich hatte darüber nachgedacht, es zu verdeutlichen, und sehe nun, dass das gar nicht nötig ist. 😀
      Ganz lieben Dank, lieber Random. Dein Sich-Einhören und Einfühlen ist wieder einmal erstaunlich. Und wie so oft, bemerke ich erst durch deine Wahrnehmung Aspekte, die mir im Schaffensprozess nicht bewusst waren. Nur das Ur-Vertrauen habe ich noch nicht gefunden. Aber nicht selten sind deine Worte Wegweiser, und vielleicht geht mir da noch ein Licht auf.
      Von Herzen Danke, liebe Grüße an dich und hab ein schönes Wochenende! 😀

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      1. 🙂
        Ja, dieses cad-eau fand ich einer besonderen Erwähnung wert. 😀
        Für mich ist es immer ein gutes Zeichen, wenn sich in einem Werk nach und nach mehr offenbart, als bewusst eingearbeitet wurde. Das ist so diese Gratwanderung zwischen bewusstem Formen und Gestalten und intuitivem Geschehenlassen. Und mir scheint, dass du ein besonders gutes Gespür für diese Balance hast. Das dürfte einer der Gründe sein, warum deine Musik auf die „ausgekochten Profis“ so attraktiv wirkt. [Ein tragfähiger Grund, aber keine Erklärung – denn wenn man es erklären wollte, würde man es wohl zu Nonsens zerreden. 😉 ] Denn die wissen ganz genau – wofern sie nicht der „musikalischen Technokratenfraktion“ angehören – dass eben auch diese schwer greifbaren „Seelenfäden“ zu einem wirklich gelungenen musikalischen Gewebe gehören. Das Gespür für diese Fäden ist wahrscheinlich ein Geschenk – aber der Umgang damit hat wohl auch seinen Preis…
        Herzliche Grüße zum zaubererfüllten Wochenende 🐋

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      2. Das ist ein sehr großes Kompliment für mich. Von Herzen meinen Dank dafür!
        Deine Formulierungen bringen es immer so schön auf den Punkt. Diese „Seelenfäden“, dieses Gewebe ist wohl das, was auch die Musik der Komponisten ausmacht, die ich umgekehrt auch so verehre.
        Ganz lieben Dank, und dir ganz liebe Grüße zur Nacht! 🙂💫🎶

        Gefällt 2 Personen

  8. Abseits der Kunst, die du beherrschst – sehe ich Parallelen in der Selbsteinschätzung zu mir. Und eigentlich ist das Echo von außen nicht wichtig. Ein wenig Erfüllung und Freude soll es machen Dir als Musiker und mir als Schreiber. Noch wichtiger: Unsere Seelen finden so eine Form von Ausdruck, Emotionen finden ihre Form hinaus in die äußere Welt.

    Selbst bin ich wahrscheinlich am besten (allein das zwickt beim schreiben), wenn mir die Außenwirkung wurscht ist.

    Ganz liebe Grüße 🙂👍

    Gefällt 2 Personen

    1. Absolut richtig. Erfüllung und Freude soll es machen, und wir können uns dadurch ausdrücken.
      Kunst sehe ich persönlich als eine Art von Kommunikation. Insofern ist das Echo von außen für mich schon von Bedeutung. Das meint nicht Bewertungen, sondern in dem Sinne, wie Michael es schon schrieb. Eine Begegnung im Inneren.

      Ganz lieben Dank, lieber Reiner! 🙂
      Und ganz liebe Grüße an dich!

      Gefällt 2 Personen

  9. Als weitgehend Ungebildete in Musiksachen kann ich gar nicht beurteilen, lieber Stefan, auf welchem „objektiven“ Level deine Kompositionen angesiedelt sind. Ich kann bzw könnte tatsächlich ausschließlich über ihre Wirkung auf mich sprechen. Manchmal schreibe ich ja auch etwas dazu.
    Die Selbsteinschätzung als Künstlerin war für mich solange ein Problem, wie ich mich unter „Meinesgleichen“ (bildende Künstler) bewegte. Jedes Urteil der Kollegen, besonders der hoch geschätzten natürlich, war süßer Honig oder bittere Galle für mich, trieb mich an oder lähmte mich durch Beschämung. Nein, ich bin keine große Nummer unter den Kunstschaffenden, bin eine Dilettantin, aber ich gebe das, was ich habe, ehrlich, ohne Brimborium , und ehre die kreative. Kraft, die uns Menschen gegeben ist, so gut ich es eben vermag. Das Lob meiner Kollegen ist mir jetzt so egal wie ihr Tadel. Doch wenn ich jemanden anrühre, vielleicht sogar zu eigenem Tun anrege, das besser seinesgleichen als meins, so macht es mich glücklich.
    Deine Musik rührt mich an.

    Gefällt 3 Personen

    1. Liebe Gerda,
      ganz lieben Dank für deine Worte. Jemanden zu berühren mit seiner Kunst, das ist auch für mich das eigentliche Ziel, das hinter dem Schaffen steht. Deine Bilder tun das bei mir. Manchmal äußere ich es, manchmal nicht. Du bist eine wirklich gute Künstlerin, und ich freue mich, dass du deine Kunst zeigst.
      Meinen Dank an dich, und liebe Grüße!

      Gefällt 2 Personen

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