Je vis, je meurs

Je vis, je meurs : je me brule et me noye.
J’ay chaut estreme en endurant froidure:
La vie m’est et trop molle et trop dure.
J’ay grans ennuis entremeslez de joye:
Tout à un coup je ris et je larmoye.

Ich lebe, ich sterbe: Ich verbrenne und ich ertrinke.
Mir ist so heiß, während ich die Kälte aushalte:
Das Leben ist zu sanft und auch zu hart für mich.
Ich habe große Mühe, durchsetzt mit Freude:
Plötzlich lache und weine ich.

Beginn des Achten Sonetts von Louise Labé


Das vollständige Achte Sonett von Louise Labé (1524-1566) nebst einigen Übertragungen findet sich z.B. hier. Infos über Lilian Tong kann man hier nachlesen.

14 Gedanken zu „Je vis, je meurs

  1. Das ist ja eine spannende Zusammenarbeit, die ihr als Trio über zeitliche und geografische Distanzen hinweg zustande gebracht habt. In gewisser Weise also auch eine Hommage an die verbindende Kraft der Kunst.

    Die verbindende Kraft ist für mein Empfinden auch in deiner Musik sehr präsent. Sie negiert zwar nicht das im Text angelegte „Kontrastprogramm,“ verbindet aber eben doch alles zu einem Fluss des Lebens, der, wiewohl teilweise mäandernd, immer lebendig fließt.

    Übrigens finde ich, dass die Musik – auch unabhängig von der Sprache des Textes – sehr französisch klingt, wobei ich jetzt nicht genau definieren könnte, worauf dieses Französischklingen beruht. Muss man ja auch nicht zerreden – Hauptsache, es klingt stimmig. 🙂

    Mit einem herzlichen Abendgruß an dich 🐻

    Gefällt 4 Personen

    1. Ich freue mich sehr über deine Worte, lieber Random, herzlichen Dank!

      Es ist in der Tat eine verbindende Kraft im Fluss des Lebens, die auch zu dieser Musik führte; im wahrnehmbaren Vordergrund als auch im unbenannten Hintergrund.

      Ja, auch mir klang die Musik von Anfang an französisch, und das mag ich jetzt gar nicht sagen: Wie eine Filmmusik zu einem französischen Film (😉). Wenn ich diese Filme auch liebe, darauf angelegt hatte ich es nicht. Aber vielleicht ist das wieder diese Sache mit dem Unterbewusstsein, schließlich ist der Text auch nicht so friesisch. Ja, muss man nicht zerreden.

      (Es ist übrigens ein Duo über die genannten Distanzen. Aber das ist nicht wichtig und ich erwähne es nur, um den Pianisten [Mr. P.C.] nicht zu übergehen.)

      Ganz liebe Grüße an dich 🙂💫

      Gefällt 2 Personen

      1. Der französische Klang muss nicht einmal unbedingt filmmusikalisch inspiriert sein. Ich kenne nur einen einzigen französischen Film – und dennoch ist mir die Musik französisch vorgekommen. Ich habe es sogar extra getestet, indem ich mir die Gesangspartie instrumental (und somit naturgemäß ohne Text) vorgestellt habe. Ich vermute, dass dies mit deiner Art zu tun hat, den Text aufzunehmen und zu verinnerlichen. Mir ist einfach besonders aufgefallen, wie sehr Text und Musik harmonieren (obwohl zu Lebzeiten der Autorin wahrscheinlich niemand solche Musik komponiert hätte).

        Mit dem Trio meinte ich die Autorin des Textes, den Komponisten, der auch die instrumentale Tonspur gelegt hat, und die Sängerin (bei der ich den Eindruck hatte, dass ihr Beitrag ebenfalls zeitlich und geografisch distanziert hinzugekommen sei).

        Herzliche Grüße zum zauberhaften Wochenende 🐻

        Gefällt 2 Personen

      2. Vielleicht hast du Recht. Es beeinflusst ja tatsächlich nicht nur der Inhalt eines Textes die Musik, sondern auch die Sprache (vielen Dank für das Kompliment!).

        Auch hier hast du Recht: Ohne Louise Labé wäre das so nicht entstanden. Das ist schon eine beachtliche zeitliche Distanz in der Zusammenarbeit, doch ihr Gedicht scheint mir modern, oder besser: zeitlos. Bei Lilian waren es nur einige Tage in der zeitlichen Distanz, räumlich definitiv. Sie pendelt wohl zwischen Hongkong und Rotterdam.

        Dir ein schönes Wochenende und liebe Grüße! 🙂

        Gefällt 1 Person

  2. Auch ich stimme Random zu. Vor allem dem Lebensfluss deiner Musik , der für mich Elan, aber auch Unruhe beinhaltet, vielleicht auch etwas Getriebenes, was ich mir bei Frauen früher, als sie gar nicht so richtig sie selbst sein konnten, gut vorstellen kann. Dabei ist alles zusammen für viele Menschen auch jetzt aktuell.
    Toll und erstaunlich ! Ja, es könnte auch der Beginn einer musikalischen Erzählung sein.
    Die Textseite konnte ich leider nicht öffnen. Liebe Grüße, petra

    Gefällt 1 Person

    1. Herzlichen Dank, liebe Petra!
      Ja, für Frauen war es früher sicher schwierig. Louise Labé war in dieser Hinsicht privilegiert und konnte sich entfalten. Ihr Gedicht empfinde auch ich als zeitlos aktuell.
      Dass der link zur Textseite bei dir nicht funktioniert, ist sicher wieder so ein unerklärliches WP-Phänomen. Bei mir geht es einwandfrei.
      Liebe Grüße an dich!

      Gefällt 1 Person

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