Der vergessene Zweite

Ein nachträgliches Edit vorweg:
Was aus diesem Beitrag für mich entstanden ist, ist unglaublich. Euch allen aus tiefstem Herzen meinen Dank dafür. Ein großes Geschenk zum Abschluss ist mir gerade überreicht worden: Petras Apart 16* . Wenn ich Mahlers Musik in ihrem Beitrag höre, und ihre Bilder dazu betrachte, dann kann ich nicht anders, als mit einem Kloß im Hals zu schweigen…
Danke.

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Ein therapeutischer, sehr persönlicher, sehr offener Post. Außerdem sehr lang. Also bitte weiterscrollen.

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Gestern gab es einen Absturz.
Aber die Bergwacht ist nicht zuständig.

Ich wollte wieder in die Berge. Doch ich fand immer eine Ausrede. Corona. Die weite Fahrt, … Vielleicht geht es nicht mehr.

Was hier niemand weiß: Neben der Musik habe hatte ich eine zweite große Leidenschaft: Das Bergsteigen. 1987 begann es, eher zufällig, steigerte sich schnell. Erste Klettersteige, dann gleich den Großglockner, dann mussten es 4000er in den Alpen sein, … Jedes mal musste in den gemeinsamen Urlauben und Touren auch „meine“ Tour dabei sein: Anspruchsvoller, weit und lang, vor allem aber alleine. Selbst als ich am Aconcagua im Hochlager höhenkrank wurde und keine Gipfelchance mehr hatte, habe ich nach kurzer Erholung im Basislager auf eigene Faust wenigstens noch einen 5000er bestiegen, ohne zu wissen, was mich erwarten würde. „Sie sind jemand, der seine Grenzen immer weiter verschiebt.“ konstatierte der Psychologe, als ich 2014 nach einem schweren Nervenzusammenbruch wegen „ihr“ in Behandlung war und wir u. a. auch über mein Bergsteigen sprachen. Ja, in jeder Hinsicht. Auch in der mich damals tragenden, der Spiritualität. Mystische Erfahrungen haben bei mir ebenfalls 1987 begonnen. Ungesucht, und: in den Bergen. Sie wurden im Laufe der Jahre mehr und intensiver. Mystische Erfahrungen sind immer Erfahrungen der Entgrenzung, die einen stark verändern. Ich wurde ein sich zunehmend entgrenzender Mensch und ging diesen Weg schließlich bewusst. Ein zentrales Thema bei mir. Doch was ich damals für wesentlich hielt, war wohl ein großer Fehler. Ich komme darauf zurück.

Gestern Abend schaute ich auf Servus TV wie so oft die Sendereihe „Bergwelten“. Es ging um den Watzmann. Es wurden Bilder der Gratüberschreitung gezeigt. Ich war ungesichert dabei und stürzte ab.

2017 war ich mit „ihr“ am Watzmann. Wir sind zum Hocheck, dem einfachsten der drei Watzmanngipfel aufgestiegen. Das war ein Trigger, aber nicht der Grund für den freien Fall.

2001 war ich schon mal dort. Und die komplette Überschreitung des Watzmann-Grates war in jenem Jahr „meine Alleine-Tour“. Das ist klettertechnisch nicht besonders schwer (bis II. Grad), aber lang, und am Grat sehr ausgesetzt, wie im Video erkennbar ist (damals gab es noch nicht so viele Drahtseilsicherungen, und mittlerweile wurden von den neuen Versicherungen auch wieder einige abgebaut, da sie zu viele Ungeübte anzogen). Es sind 23 km Strecke bei 2060 Höhenmeter Aufstieg und das gleiche im Abstieg zu bewältigen. Die Kletterstrecke über den Grat beträgt 4 km. In der Regel wird das als 2-Tagestour gemacht, Bergführerbüros bieten es auch als 3-Tagestour an. Wie immer bei meinen „Alleine-Touren“ war ich sehr schnell. Ich habe es damals in 10 Stunden gemacht. Und das war der Grund des Absturzes: Nun sah ich gestern Abend, zwei Jahrzehnte später, diese Bilder von der Gratüberschreitung und konnte es einfach nicht fassen; nicht nur, dass ich so etwas überhaupt jemals gemacht habe, sondern sogar (für Verhältnisse des Normalbergsteigers wie mich) da „rübergeflitzt“ bin.

Es gab einen Stefan, den es nicht mehr gibt. Und das ist nicht ein altersbedingtes „Ruhigerwerden“. Ein Teil von mir, der mich ausmachte, ist einfach weg.

Meine Leidenschaft für die Musik hat „sie“ nicht geteilt. Im Gegenteil, „sie“ hat meine Musik am Ende sogar als Waffe gegen mich benutzt. Aber meine Leidenschaft für die Berge hat „sie“ geteilt, sofern man da von Teilen sprechen kann. Nun sind die Berge der wohl einzige Trigger-Ort, an den ich mich nicht wieder getraut habe. Ich habe nicht den Eindruck, dass da etwas in mir schlummert. Eher, dass da ein großes Loch ist. Etwas ist weg. Einfach weg. Grenzen verschieben interessiert mich nicht mehr. Keinen Deut. Seit dem letzten großen Geschehen vor bald zwei Jahren habe ich gelernt Grenzen zu setzen. Die Mystik habe ich verloren. Entgrenzung erscheint mir heute fast wie eine Lüge. Etwas, das mich ausmachte, ist einfach weg. Das ist mir gestern Abend klar geworden bei diesen Bildern. Vielleicht war es immer falsch, das was mich ausmachte. „Jedenfalls zu undifferenziert“, würde mancher vielleicht entgegnen. Aber das war ich.

Die Erinnerung an die Berge schmerzt schon lange. Die Lüge von Menschen, die Lüge einer Ehe und einer langen Beziehung haben mir 25 Jahre meines Lebens geraubt. Jede Erinnerung dieser Zeit, auch an die schönsten Begebenheiten und Orte, sind nachträglich gekleidet in das Gewand eines Betrugs und eingehüllt in Schmerz. Meine zwei großen Lebensträume habe ich dafür aufgegeben.

Es war schon spät gestern Abend, als ich mein Tourenbuch aus dem Arbeitszimmer holte, darin eine Erinnerung suchte, an etwas, das auszudrücken schien, was schon damals … Auch so eine Alleine-Tour. Sie beschäftigt mich bis heute.

„10.08.2004
Vom Schlegeisspeicher über Pfitschenjoch auf Hohe Wand (3.289 m). SO-Grat Einstieg nicht gefunden. Also über den Gletscher. Nördlicher Firnrücken Blankeis, daher im losen Bruch links davon aufgeklettert (teuflisch + ätzend). Abwärts im Wolkennebel verstiegen, Not-Abfahrt auf Firnfeld in Geröll + Fels hinein. Auf dem Gletscher keine Trasse (selten begangen?). Sehr einsam.“

Hohe Wand (3.289 m), Zillertaler Alpen

Hinter dieser Notiz im Tourenbuch verbirgt sich ein seltsames Geschehen. 2004 befand ich mich bereits drei bis vier Jahre in einer schlimmen psychischen Verfassung, führte mein und „unser“ Leben aber nach außen hin normal weiter. In diesem Jahr habe ich einige Allein-Touren mehr gemacht als sonst…

Die eigentlich gewählte Route sollte über den Grat verlaufen, damit ich keine Gletscherberührung habe (ob es den Gletscher heute überhaupt noch so gibt?). Schließlich hatte ich keinen Seilpartner mit, der auf einem Gletscher wegen der Spaltengefahr nie fehlen sollte. Damals vermutete ich einen Felssturz, dass der beschriebene Einstieg zum Grat nicht zu finden war. Also überlegte ich, einen anderen bekannten Anstieg zu wählen. Nach anfänglichem Zögern habe ich den Gletscher überquert. Eine „Trasse“ (Spuren anderer Bergsteiger im Schnee), die Orientierung bieten konnte, gab es nicht. Offenbar wurde dieser Berg sehr selten bestiegen. Ich wusste aus der Karte, dass die größere Spaltenzone unterhalb meiner gewählten Querung lag. Weiter geht es danach normalerweise über einen Firnrücken, der aber in diesem heißen August nur aus Blankeis bestand. Pickel und Steigeisen hatte ich nicht eingepackt, da ich ja eigentlich nur über den Felsgrat wollte. Also kletterte ich in der brüchigen Fels-Flanke neben dem Firnrücken zum Gipfel. Weit und breit kein Mensch. Ich war offenbar ganz alleine an diesem Berg unterwegs. Am Gipfel blieb ich nur eine Zigarettenlänge, da dunkle Wolken aufzogen, die den Berg langsam einhüllten. In diesen Wolken hatte ich mich offenbar beim Abstieg verstiegen und stand nun am oberen Ende eines steilen Firnfeldes. Zu steil, um es ohne Steigeisen und Pickel abzusteigen. Und das ist der Moment, der mich bis heute beschäftigt: Ich kam nicht auf die naheliegendste Idee, ein Stück zurück zu klettern und es weiter drüben zu versuchen. Für mich bestand in diesem Moment die Welt nur noch aus diesem Firnfeld und mir. Ich musste abfahren. Es war eine 50-50-Chance, ob das Geröll am Ende des Firnfelds mich stoppen würde, oder ob ich noch ein Stück weitersause, über die Abbruchkante hinaus, und unten auf dem Gletscher aufschlagen würde. Ich erinnere mich noch genau an den Gedanken in diesem Moment: „Dann war das gestern Abend mein letztes Gipfel-Bier“. Also setzte ich mich in den Firn, und fuhr ab. Unten krachte ich in das Geröllfeld. Ein Schmerz durchfuhr mich, ich dachte noch „Scheiße, nun musst du doch zum ersten mal die Bergrettung rufen“, dann wurde mir schwarz vor Augen. Aber ich kam schnell wieder zu mir, verband mein Handgelenk und stieg zum Gletscher ab, der mittlerweile von dichtem Nebel eingehüllt war. Ich querte ihn und kam trotz der scheinbar völligen Orientierungslosigkeit (sog. „Whiteout„) exakt dort an, wo der Gletscher auf den Steig ins Tal trifft (über meinen Orientierungssinn in solchen Situationen habe ich öfters gestaunt, während ich mich in einem kleinen Dorf verlaufen kann).

Diese Geschichte der Hohen Wand hat vorausgesagt, was geschehen würde. Ich überlebte, aber es hat sich etwas verändert. Mein Umgang mit Grenzen, Fehler, die ich zwangsläufig machen würde (da ich ein Mensch bin), das Risiko, das ich einging, der Verstand, den ich manchmal verliere, … Ich war offenbar immer alleine unterwegs. 25 Jahre. Und nun ist da ein großes Loch. Der zweite Stefan existiert nicht mehr. Nur noch der, der so nervig viel Musik raushaut (und dabei darum kämpft, nicht über seine Grenzen hinaus gehoben zu werden; aber davon erzähle ich vielleicht ein anderes mal). Das ist gestern Abend, bei diesen Bildern vom Watzmanngrat, endlich bewusst geworden. Auch das will ich versuchen, als Chance zu begreifen. Aber es ist alles wohl ein anspruchsvoller, langer Weg, den ich alleine gehe. Eine „Meine-Alleine-Tour“ auf andere Weise.

Ich habe niemand, dem ich so etwas erzählen kann. Deswegen schreibe ich es hier. Ich habe darum gebeten, es nicht zu lesen, weiter zu scrollen, und hoffe vielleicht insgeheim doch, dass es jemand liest (und noch mehr, dass er es auch schnell wieder vergisst).

„Der Kopf im Schraubstock, Flügel gebrochen, ohne dass auch nur einer erahnt was um einen, in einem passiert?“

(Der Schutzgarten)

Zeit alleine heilt nicht immer alle Wunden.

Kein guter Tag. Ich leine nun Haily an und gehe mich schämen.

50 Gedanken zu „Der vergessene Zweite

  1. Das ist ein beeindruckender Beitrag. Selbsterkenntnis ist der steilste Weg im Leben, der Absturz ist dabei potenziell inbegriffen. Aber eines ist gewiss: Bergsteiger zieht es immer wieder zum Berg, zu sich selbst. Deshalb, lieber Stefan, lösche diesen wertvollen Beitrag nicht! Er ist ein Lehrstück für Suchende.

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      1. Danke, lieber Stefan. Erlebnis lässt sich schwer in Worte fassen. Aber das Wesentlichte deiner Erfahrung steht sowieso zwischen den Zeilen und lässt die Tiefe des Erlebten im Mitfühlen erahnen. Das ist das, was dein Text so berührend macht und mich als Leser darin selbst erkennen lässt: Irgendwie ständig in einem endlosen Kreislauf des Aufstiegs und Absturzes gefagen zu sein und trotzdem nicht aufgeben, weiterzuleben!

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      2. Du glaubst nicht, wie sehr ich dieses mitfühlende Zwischen-den-Zeilen-lesen schätze, lieber Ralf, und dieses Sich-selbst-wiederfinden in eigenem Erleben. Nicht nur, weil ich dann nicht ganz so alienesk wirke. Das ist eine besondere Kontaktaufnahme. Ganz lieben Dank dir!

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  2. Ein Beitrag aus tiefster Seele, Stefan.
    Du bist dir wieder ein Stück näher gekommen.
    Der Urlaub bewirkt etwas in dir und darüber freue ich mich für dich.
    Dein Weg ist und war immer da. Nur manchmal etwas verschüttet oder Nebelverhangen.
    Ich danke dir für deine vertraulichen Gedanken und schicke einen ganz lieben Gruß, neben einer Umarmung zu dir in den Norden.
    🙂🐾🍀🦋

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      1. Es kommt alles hervor wenn die Zeit dafür gekommen ist Stefan.
        Besser jetzt, als wenn du auch noch arbeiten würdest. 🍀
        So hast du noch ein paar Tage Zeit die Erkenntnisse zu verdauen.
        Ganz lieben Dank. 🙂

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  3. Ich habs natürlich gelesen, lieber Stefan. Was es für dich bedeutet, kann ich nur erahnen und werde es nicht kommentieren. Ich möchte dir aber mit einem eigenen Erleben antworten: Ich war siebzehn und im Rahmen der letzten Klassenreise erstmals in den Alpen. Hochgebirge kannte ich nicht. Ich hatte auch keine Bergstiefel, sondern Halbschuhe mit Kreppsohlen. Wir übernachteten in einer Berghütte. Ich war fest entschlossen, den Sonnenaufgang vom Gipfel aus zu sehen; und stahl mich in der Dämmerung hinaus. Es gelang mir auch hinaufzukommen; dann aber bekam ich Angst, Ärger wegen meines Alleingangs zu bekommen, und entschloss mich, einen „direkten“ Weg zurück einzuschlagen. Der ging über ein Schneefeld, das über Nacht verharscht war. Ich setzte mich hin und sauste abwärts, konnte aber mit den weichen Sohlen nicht stoppen, rutschte über ein Geröllfeld und weiter über ein Stück Firn, bis ich im nchsten Geröllfeld zum Halt kam. Meine Hose war zerfetzt, eine Freundin lieh mir ihre, damit ich mich zeigen konnte. Am nächsten Tag ging es von Österreich nach Holstein, eine endlose Bahnfahrt. Ich hatte „meine Tage“ bekommen und trug einen Gürtel mit eiserner Aufhängung für die Binden, wie sie damals üblich waren, mein verletztes Steißbein entzündete sich daran, und ich musste in den folgenden Monaten dreimal unters Messer.
    Lernte ich bei dieser Gelegenheit, meine Grenzen zu respektieren? Durchaus nicht, ganz im Gegenteil. Das einzige, was mich wirklich schockierte, war, dass ich eine kostenlose Reise mit einem Frachter, den eine Sommergästin für mich arrangiert hatte (sie arbeitete in einer Hamburger Schifffahrtsgesellschaft) und die mich über Danzig und Leningrad nach Finnland bringen sollte, wegen der Verletzung nicht antreten konnte.

    Bei allen Erlebnissen kommt es auf die seelische Gemengelage an. Ich war damals auf andere Weise seelisch schwer verletzt, und daher gab es für mich im Äußeren keine Grenzen. Ich konnte alles tun. Was konnte mir passieren? Nichts, im Vergleich zu dem, was ich an seelischer Pein durchgemacht hatte und viele Jahre bestimmend blieb.

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    1. Liebe Gerda,
      da haben wir ja einiges gemeinsam. Ich hoffe, du hast den Sonnenaufgang am Gipfel wenigstens erleben können. Es gibt nichts Schöneres. Einmal habe ich die Nacht auf einem Gipfel verbracht, um das ausführlichst zu genießen. Meine damalige Frau war dabei. Insofern sind da doch ein paar Erinnerungen, die trotz allem sich wieder rosa färben… Und das merke ich durch deine Geschichte.
      Von Herzen meinen Dank, dass du diese Geschichte hier so offen erzählt hast. Mir tat das gut. Und ich habe auch deinem letzten Absatz gut zugehört. Dafür besonderen Dank.

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  4. Lieber Stefan, das Leben gleicht oft der Besteigung eines hohen Gipfels, nur zum Zweck der Selbstüberwindung.

    Eine jahrzehntelange Selbsttäuschung, mit allen Höhen und Tiefen, ist keine verlorene Zeit, sondern eine Zeit des Lernens. Wir sind alle immer alleine unterwegs, treffen Menschen, die unseren Weg teilen und sich wieder verabschieden.

    Du solltest Dich nicht Deiner Gefühle beraubt fühlen, weil diese lange Beziehung ein ungutes Ende fand. Der Grund mag schmerzvoll sein und die Erinnerungen quälend; ich weiß, es gibt eine höhere Macht als die der Menschen. Sie wird uns immer das geben/nehmen, was für uns das Beste ist.
    Wenn Du magst: https://www.gottes-bilderbuch.de/vom-blitz-getroffen

    Du hast die Mystik nicht verloren. Es wurde Dir genommen, was Dich von ihr trennte. Du lebst sie in Deiner Musik …immer schon!

    Mit dem Schreiben Deiner Geschichte hast Du Dich höhergestellt als der Berg. Du musst ihn nicht mehr bezwingen …Du schaust auf ihn hinab!

    Eine liebe Umarmung von mir, Gisela

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    1. Liebe Gisela,
      von Herzen meinen Dank für deine Worte!
      Meine Selbsttäuschung war begrenzt – ich wurde getäuscht. Mein Fehler war, zu sehr zu vertrauen. Es waren ja keine normalen Beziehungen, die ein Ende fanden, sondern Beziehungen, an deren Ende ich die immer vorhanden gewesene Täuschung erkannte. Lernen muss ich, mehr zu misstrauen. Mich vorsichtshalber abzugrenzen auch von Menschen, denen ich sofort mein ganzes Herz schenken möchte. Das ist gegen meine Natur. Das bitte ich aber nicht als Widerspruch gegen deine Sicht zu verstehen. Es ist komplex, und ich wünschte, ich hätte deinen Glauben (meinen habe ich verloren). Deinen verlinkten Artikel kenne ich, und ich mag ihn. Ich bin kein Leugner dessen. Michael hatte mir mal nahebringen wollen, Glauben als „Vertrauen auf“ zu verstehen; ich hoffe, das noch lernen zu können.
      Deine Worte, dass ich die Mystik in der Musik lebe, ist ein überraschender Gedanke für mich, und gleichzeitig ein gigantisches Kompliment (ich hoffe, ich darf das so sagen). Ganz großen Dank dafür!
      Eine liebe Umarmung für dich, liebe Gisela.

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      1. Es gibt Phasen im Leben, in denen wir kein Wissen haben können und wir uns auf den Glauben verlassen müssen. Kein Mensch kann über alles Wissen verfügen. Man darf nicht denken, dass man in gewissen Situationen nichts tun kann. Nur wenn man sein Äußerstes gibt, erfüllt man die eigenen geistigen Pflichten. Schmerz ist ein Teil des Naturprozesses. Sonnenschein und Schatten, Frieden und Unruhe, Licht und Dunkelheit, Liebe und Hass, all das sind Teile des Gesetzes; du kannst das eine nicht ohne das andere haben. Man muss abwägen, welches Leid schlimmer ist, ohne oder mit Liebe zu leben.

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  5. Da ich den Beitrag erstens nicht gelesen und zweitens gleich wieder vergessen habe, kann es drittens diesen Kommentar nicht geben und es würde ergo viertens auch nichts machen, wenn er gelöscht würde. Da haben wir also eine wunderfein runde Sache mit vier stabilen Ecken. 😉

    Mein Eindruck ist immer wieder, dass Menschenleben große Ähnlichkeiten mit Musikwerken aufweisen. Bei einigen scheint es ein Thema mit Variationen zu sein. D.h. es gibt ein bestimmtes Hauptthema, das für sie zeitlebens dominierend bleibt und das sie drehen und wenden und auf jede denkbare Weise er-leben. Kennt man das Thema, erscheint jede Variation irgendwie sinnvoll. Andere Leben scheinen eher strukturiert zu sein wie eine große Sinfonie. Wenn man das Ganze nicht kennt, mag man sich vielleicht wundern: wie hängt das alles zusammen? Hängt es überhaupt zusammen? Irgendwie fällt mir da Mahlers 9. Sinfonie ein, die einem ja streckenweise nicht unbedingt sehr erbaulich vorkommen mag. Ich möchte es niemandem verargen, wenn er sie sogar teilweise für eine Zumutung hielte. Aber wenn man das Ganze kennt, ist der Eindruck phänomenal. So ist es wohl auch in einem „sinfonischen“ Leben. Manches erscheint einem als absolute Zumutung. Und wo, bitte, ist der rote Faden? Manche Themen verschwinden. Andere erscheinen. Einige Themen tauchen aber auch wieder auf. Kaum erkennt man sie zunächst, denn sie haben nun eine ganz andere Qualität. Vielleicht sind die Berge ein Thema, das in deiner „Sinfonie“ durch ist. Und die Mystik kehrt in neuem Gewand wieder. Vielleicht ist es auch umgekehrt. Ich denke, dass der Fluss des Lebens seine Phasen hat (wie es auch beim Komponieren eines Musikwerks geschehen mag): manchmal muss man kraftvoll rudern und die Richtung bestimmen – und manchmal zieht es einen in eine Richtung, die man eigentlich gar nicht vorgesehen hatte und erst hinterher als sinnreich erkennt.
    Mit einem herzlichen Abendgruß 🐻

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    1. Lieber Random,
      deine Einleitung ist wieder einmal genial 😂
      Bei deinem Kommentar habe ich einen schweren Stand. Es ist viel darin für mich. Mittlerweile bin ich beim letzten Satz von Mahlers Neunter angelangt. Sie macht Seltsames mit mir, aber eine Zumutung finde ich in keiner Note. In meiner Musik findet man viele Wiederholungen. Das scheint in meinem Leben auch so zu sein. In meiner Musik findet man aber auch oft viele Missklänge. Sie müssen darin sein, und das erschließt sich nicht immer sofort, manchmal nur gerade durch die Wiederholungen. Ich dreh mal etwas… Die „Berge ein Thema in meiner Sinfonie“, dazu der Mahler, die Mystik in meiner Musik, … Heute Abend passiert eine ganze Menge in mir. Auch durch deine Worte. Von ganzem Herzen meinen Dank.
      Einen ganz lieben Abendgruß auch an dich. 🙂

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      1. Die Einleitung trägt unverkennbar meine Handschrift. Musikalisch gesprochen: nimm ein Thema und mach‘ erst mal „sicherheitshalber“ ein Capriccio daraus. 😀
        Eine Zumutung wird man in Mahlers Neunter nur finden, wenn man sie noch nicht als Ganzes kennt. Allerdings empfinde ich sie noch heute als erschütterndes und kathartisches Erlebnis.
        Das erscheint mir essentiell – ob in der Musik oder allgemein im Leben – dass wir unserem untrüglichen Gespür folgen, was SO sein muss, auch wenn sich der Sinn oft (zunächst) nicht erschließt.
        Ich wünsche dir sehr, dass das was heute Abend passiert, für dich zu wohltuenden Ergebnissen führt. Vielleicht sogar auch als kathartisches Erlebnis. ✨🐉✨

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      2. 😂 Capriccio…
        Ich kannte Mahlers Neunte nicht. Ein oder zwei CDs habe ich zwar mit Musik von ihm, aber erst heute Abend bin ich ein Freund seiner Musik geworden. Dank dir. Was es mit mir macht, kann ich nicht benennen. Tränen kamen beim Hören der Musik und Lesen eurer Worte, aber keine Erschütterung. Tröstlich erschien mir die Neunte. Aber kann gut sein, dass ich gerade nicht sauber ticke. Auf jeden Fall: Ganz lieben Dank für deine Wünsche! Sie sind etwas besonderes für mich. 🙏

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      3. Die Erschütterung muss ja auch nicht notwendigerweise sein. Denn letztlich soll es ja in diesen wunderbaren Seelenfrieden des letzten Satzes münden. Für mich ist Mahlers Neunte eines der absoluten „Hochlichter“ der sinfonischen Musik und ich liebe sie seit langer Zeit. Und ich freue mich, wenn ich sie dir nahe bringen konnte. Ein sehr bewegendes Dokument ist übrigens diese Aufnahme von 2010 mit Claudio Abbado (ich setze den Link in Klammern, weil es nicht sehr sinnvoll ist, wenn das hier als „Winzvideo“ im Kommentarfeld erscheint):
        [https://youtu.be/udhHFt–10Q]

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      4. Sie ist wirklich unglaublich tief gehend. Schande über mich, dass ich seine (liebte er nicht auch Natur und Berge, wenn ich mich recht erinnere?) Musik so lange ignorierte.
        Und jetzt wird’s unheimlich: Unter all den angebotenen Versionen bei YouTube habe ich genau jene ausgewählt, deren link du hier geschickt hast. Diese Version habe ich heute Abend „aufgelegt“. Naja, bei Abbado weiß man halt, was man bekommt. Von daher vielleicht erklärbar. Aber ganz sicher bin ich mir da nicht….
        Ganz lieben Dank! 🙏

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      5. Ja, so ist mir das auch in Erinnerung, dass Mahler sehr mit Natur und Bergen befreundet war. 🙂

        Schon interessant, dass es genau diese Version war. 😀 Denn die Auswahl ist nicht gering. Und mit Abbado gibt’s auch eine Version mit den Berliner Philharmonikern. Die gibt es auch auf CD und da hat man halt auch eine entsprechende Klangqualität. Aber diese Version mit dem Lucerne Festival Orchestra finde ich noch bewegender…

        Da der Link ja nun überflüssig war, „muss“ ich halt was anderes nachliefern. Das hier ist auch phänomenal:
        [https://youtu.be/Xplx64LVENg]

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      6. Wirklich bewegend, absolut. Manchmal gibt es Aufnahmen, die unersetzlich sind (selbst wenn das Orchester Fehler macht). Momente tiefsten Seins, die dank der heutigen Medien so viele Menschen erreichen können.

        Ganz muss ich mir das Nachgelieferte aufgrund der fortgeschrittenen Zeit ein ander Mal anhören. Aber hineingehört habe ich. Das ist die Dritte, die ich auch auf CD habe. Was Abbado da aus dem Blech holt ist ja wow… Fantastisch!! Ganz lieben Dank dafür!

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      7. Lieber Random,
        nun habe ich die Dritte in dieser Aufführung komplett gehört. Die Musik ist von unglaublicher Schönheit, und die Aufführung verschlägt mir die Sprache. Emotional war die Dritte für mich deutlich problematischer als die Neunte, wobei ich nicht weiß, ob es an der Musik an sich, an der unglaublichen Aufführung oder an meiner Tagesform liegt.
        Ganz herzlichen Dank für den link zu diesem Konzert!
        Dir noch einen schönen Tag und liebe Grüße an dich! 🙂

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      8. Das freut mich sehr – ein Gipfelerlebnis auch ohne Berge. 🙂
        Diese Aufnahme ist ein echtes Juwel. Und eine solche Aufführung verstärkt auf jeden Fall die Wirkung. Und sowohl die Dritte als auch die Neunte können, je nach aktueller Befindlichkeit, emotional ganz schön in Arbeit ausarten. Wobei beide einem letztlich nichts „schuldig“ bleiben. 🙂
        Mit herzlichen Nachmittagsgrüßen 🐻

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  6. Zunächst einmal an euch alle:
    Ich bin sprachlos. Habe ich damit gerechnet, dass der Beitrag weit überwiegend als peinlich wahrgenommen wird*, bin ich plötzlich nicht mehr alleine unterwegs, sondern da marschieren so einige mit mir. Von ganzem Herzen meinen Dank!!!
    Ich habe nun Mahlers Neunte aufgelegt und versuche, euch noch einzeln zu antworten, kann aber nichts versprechen, da momentan noch ziemlich viel Watte in meinem Schädel ist.
    ____________
    *(Seelenstriptease gilt ja als unschicklich. Wenn ich auch nie richtig verstanden habe, warum man ein gebrochenes Bein stolz präsentieren darf, ein seelischer Genickbruch hingegen zu tabuisieren sei. Aber ich habe noch viel zu lernen.)

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  7. Lieber Stefan, ein wundervoller Beitrag, der ganz viel auslöst!!! Als Frau (und vielleicht auch gerade als Frau, die ja selbst kürzlich „verlassen“ wurde …) habe ich vermutlich naturgemäß einen etwas anderen Blickwinkel, als du, und manchmal kann ein solcher anderer Blick wertvoll sein. Daher möchte ich dir diesen Blickwinkel gerne als Impuls mitgeben. Ich erwarte keine Antwort, ich möchte meine beiden Fragen, die bei mir beim lesen sofort „aufpoppten“, wirklich nur als Impuls verstanden wissen, den du für dich annehmen oder auch für dich mehr oder weniger barsch zurückweisen kannst:
    Warum waren „Alleingänge“ für dich so wichtig? Und warum so „gehetzt“ (war das in irgendeiner Form Genuss und Freude oder eher ein sich selbst quälen „wollen“)?

    Solche Art Fragen stelle ich mir häufig, um zu verstehen, warum Dinge so gelaufen sind, wie sie gelaufen sind. Und finde das immer sehr wertvoll für mich, auch wenn es zunächst manchmal schmerzhaft sein kann.

    Herzlichen Gruß und alles Liebe für dich!!! 💌 (Und glaub mir, Frauen sind wunderbare Wesen …, aber wie ihr Männer auch haben Frauen ihre eigene Geschichte, die alles andere als einfach ist – global gesehen – und in aller Regel auch individuell aus der eigenen Familie und allen damit zusammenhängenden Problemen.)

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    1. Liebe Maren,
      ganz lieben Dank für deine Worte!
      Deine beiden Impulse sind mir bewusste Gedanken. Die Alleingänge: Manchmal muss ich mit mir alleine sein, auch in besonderen Situationen und in der Natur genieße ich es besonders. Schon als Kind träumte ich davon, als Einsiedler in den Wäldern zu leben. Ich denke, ich kenne den Grund (außer meiner sehr starken Naturverbundenheit), habe darüber aber noch nie öffentlich geschrieben. Das Gehetzte: Aus (wohl falscher) Rücksicht. Meine damalige Frau bzw. später meine „Partnerin“ wartete ja, und das Gemeinsame stand für mich im Vordergrund; meine Alleingänge machte ich insofern auch immer mit schlechtem Gewissen und wollte sie möglichst kurz halten. Das führte allerdings auch zu einer Grenzverschiebung: Konnte ich nicht noch mehr leisten, noch schneller werden?
      Das mit den Frauen… Ich bin, ehrlichgesagt, und nimm es mir bitte nicht übel, kein Freund von solchen Trennungen. Ich glaube, dass das keine Sache des Geschlechts ist (wenn daraus auch – oft ungesunde – Prägungen resultieren; darüber schrieb ich ja schon mal). Es gibt wunderbare Frauen, und es gibt wunderbare Männer. Und es gibt (sorry wegen der Wortwahl) scheiße Frauen und scheiße Männer. Gaußsche Normalverteilung – die Mathematik von Gut und Böse. Darüber wollte ich auch schon lange mal schreiben. Ich bin kein Frauenhasser. Wenn ich mich beziehungstechnisch von ihnen fernhalte, dann liegt das an mir, nicht an ihnen.
      Nochmals meinen Dank, auch dir alles Liebe und einen lieben Gruß an dich!

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      1. Lieber Stefan, danke für deine offene Antwort, in der ich mich in Teilen wiederfinde, denn auch ich brauch(t)e immer mal wieder Phasen für mich alleine. Und ich bin auch keine Freundin von solchen Trennungen. Anders als du aber glaube ich (immer noch … ), dass im Grunde ihres Herzens alle Frauen und alle Männer wunderbare Wesen sind. Dass da aber etwas zwischen ihnen steht, oder „um sie herumgewickelt wurde“, was es uns allen immer wieder so schwer macht, wirklich glücklich zu sein mit dem Partner / der Partnerin. Und das würde ich gerne auflösen helfen, bei so vielen Menschen wie möglich, denn alles hängt ja immer mit allem zusammen … . 😉. Sozusagen das „Böse“ (oder etwas milder ausgedrückt: das „Schädliche“, was um uns herumgewickelt und manchmal auch in uns injiziert (bestimmte Glaubenssätze, Überzeugungen etc.) wurde … .
        Herzlichen Gruß 🦋

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      2. Ich denke, dass das nicht ganz falsch ist, liebe Maren. (Auch ich habe bis vor zwei Jahren daran geglaubt.) Es kommen aber verschiedene Dinge zusammen, wie ich heute weiß. Und nicht alles ist auflösbar, wie die Psychologie heute weiß. Dadurch haben wir – vereinfacht gesagt – unterm Strich zwei Arten von Menschen, nicht nur eine. Aber ich will dich hier nicht überzeugen. Deine Sicht ist wertvoll. Vielleicht lege ich tatsächlich irgendwann meine Sicht in einem extra Beitrag dar.
        Ganz herzlichen Dank, und liebe Grüße an dich! 🙂

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  8. Lieber Stefan!
    Ich kann mich den anderen Kommentaren nur anschließen. Wunderbare Zeilen, die viel Erfahrung und Selbtserkenntnis zeigen. Geschmückt mit Zweifeln, die einen überkommen, wenn man sich einer Sache bewusst wird und noch nicht absehen kann, wie man das Ganze einzuordnen hat. Ich denke, das geht uns allen so, die wir versuchen unser Leben zu strukturieren und auszuleben. Der eine geht den intensiveren Weg, der andere wählt die ruhigere Spur. Wir alle gehen alleine und sind doch gemeinsam unterwegs 🙂
    Liebe Grüße

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  9. Lieber Stefan , dein so persönlicher Beitrag berührt mich sehr. Da Random so passend von Mahler sprach, habe ich soeben statt weiterer Worte einfach in Apart 16 das Adagietto von Mahler veröffentlicht und Versuche dazu , die ich 2011 gemalt habe. Dieses Stück hat mich immer wieder in dunklen Stunden getröstet. Vielleicht geht’s dir ja ebenso. Mahler liebte die Berge und seine Ehe war problematisch. Vielleicht gibt es da sogar Parallelen und Anklänge. Wenn du magst, verlinke diesen Beitrag mit meinem und wenn du nichts dagegen hast, nenne ich auch dich im ersten Satz.
    Mit lieben Grüßen, Petra

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    1. Liebe Petra, ich kann dir gar nicht sagen, wie mich das berührt. Dieser Gedanke von dir, deine Bilder zur Musik… Ich bin gerade richtig aufgewühlt. Sehr gerne verlinke ich deinen Beitrag und ich habe nichts dagegen, wenn du mich nennst. Danke!!!! ❤️

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  10. Lieber Stefan!
    Ich wünsche Dir: Freiheit!
    Kant hat die Freiheit beschrieben als das Vermögen, einen schlechthinnigen Anfang zu setzen.
    Wenn man sein Handeln begründend auf Anderes zurückführt, dann beschreibt man eine Bedingtheit, sei sie kausal, rational, affektiv, etc.
    Heute etwas beginnen und nichts weiter dazu sagen können oder müssen als: „Ich will es so“, das ist die Freiheit, die ich Dir wünsche.
    LG Michael

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    1. Lieber Michael,
      ganz herzlichen Dank für deine Worte! ❤️
      Gilt auch die Freiheit, die ein Wollen aus Momenten der Verzweiflung heraus entstehen lässt? Ich wusste, der Beitrag ist ungehörig und gegen die Regeln der Fachwelt. Ich habe es gewollt und getan. Trotz meiner Scham dabei, gestern wie heute. Euer aller Reaktionen waren so unerwartet wie kostbar. Heute war ich alleine mit meinem Hund in der Natur unterwegs, wurde ruhiger und klarer, und sagte innerlich spontan (in etwa) zu meinem Hund: „Ich freue mich darauf, dir die Berge zu zeigen.“ Hätte ich gestern nicht gedacht.
      Die Violinistin im Orchester unter Abbado ist so frei wie irgend möglich, wenn alle zusammen Mahlers Neunte spielen. Sie klingt anders als ihr Kollege am Pult nebenan, und doch so, wie die gemeinsame Idee es braucht. Das Verhältnis und die Einheit von Ich und Wir in einem Größeren ist entscheidend. Auch für die Freiheit. Das habe ich gestern und heute bewegend erlebt. Befreiend.
      Von Herzen meinen Dank, und ganz liebe Grüße an dich!

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  11. „Doch was ich damals für wesentlich hielt, war wohl ein großer Fehler. Ich komme darauf zurück.“ – Da bin ich doch gespannt drauf. Vielleicht bezieht sich diese Aussage auch auf die Zeit, als Du in einem anderen Blog noch über Spiritualität geschrieben hast? Ich kann mich noch gut an die teils etwas verrückten, teils „gewinn“bringenden Diskussionen erinnern.
    LG Franz

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    1. Ja, das waren noch Zeiten, lieber Franz 🙂
      Darauf zurückgekommen bin ich im Beitrag. Klar, nicht so ganz ausführlich. Den Hang zur Entgrenzung begrenzen und Grenzen setzen. So schnell – hoffe ich – lasse ich nicht mehr jemanden wie „sie“ in meinen Garten hinein, dort alles erst in Besitz nehmen und dann zertrampeln.
      Vielen Dank, und liebe Grüße an dich!

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  12. Ich habe auch gelesen, liebe Stefan und bekam Gänsehaut bei Deinem Alleine*gang*.
    Eigentlich bist Du ein Glückskind, sonst hättest Du nicht überlebt.
    Du hast schlimme Erfahrungen gemacht, mehr als manch Anderer und Du bist daran gewachsen, auch wenn Du es selbst nicht bemerken solltest. Du bist weiter gekommen und nicht wieder abgestürzt, weil das Leben Dir die Musik bot und Deinen lieben kleinen vierbeinigen Begleiter.
    Es sind die körperlichen Wunden, die die Zeit heilt – meist…
    Die Wunden der Psyche sind eine andere Sache, lieber Stefan. Die schleppt man länger mit sich herum, bis sie vielleicht doch endlich verblassen … und hoffentlich auch verschwinden

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    1. Vielen Dank für’s Lesen und für deine lieben Worte, liebe Bruni.
      Ja, was das Überleben angeht, habe ich wohl tatsächlich eine schützende Hand über mir.
      Musik und mein Hund, das ist in der Tat ein ganz großes Geschenk für mich, etwas, das trägt, und zur Heilung viel beiträgt.
      Von Herzen meinen Dank, liebe Bruni, und liebe Grüße an dich! 🙂

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  13. Du hast recht, Stefan, nein, die Zeit heilt nicht alle Wunden.
    Aber sie hilft dabei, den nagenden Erlebnissen und traurigen Erkenntnissen einen angemessenen Platz im Leben zuzuweisen.
    Auch ich trage Narben mit mir herum, manche verheilten schlecht und sind noch immer deutlich zu sehen, andere wurden blass im Laufe der Zeit, andere schmerzen nicht mehr, obwohl sie noch da sind und alle erinnern erinnern mich an Zeiten, an denen das Leben nicht einfach, sondern eine Herausforderung war.
    Wie schön, wenn es dann etwas gibt, was kleine Freuden und Innigkeit bereithält und ein Lächeln in das Gesicht zaubern kann.

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    1. Liebe Roswitha,
      ich danke dir sehr für deine Worte.
      Deiner Erkenntnis stimme ich zu. Wenn auch mit zunehmendem Alter die Wundheilung schwieriger werden kann. Dafür gewöhnt mancher sich schneller daran, Schmerzen hinzunehmen. Aber das ist vielleicht bei jedem anders. Und ja: Das Kleine wächst im Innern, und lässt lächeln.
      Lieben Dank, und liebe Grüße an dich!

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