Alles auf Anfang

Hieße ich Torsten Sträter oder Kurt Krömer,
würde ich nun erklären, warum ich meine Blog-Pause unterbrochen habe.
Heiße ich aber nicht.

Samstag Morgen um 6 Uhr kam – irgendwie zur rechten Zeit – eine Nachricht von dem argentinischen Komponisten und Gitarristen Alejandro Mejía Sánchez. „Tonight finally the record of Inception“. Vor ein paar Monaten trug er die Idee eines kompositorischen Dialogs an mich heran. Er bat mich, diesen Dialog mit einem kurzen Stück für Gitarre zu eröffnen.

Inception. Anfang.

Heute Morgen um 6 Uhr kam – irgendwie zur falschen Zeit (ich war schon halb auf dem Weg zur Arbeit) – die Mail von ihm mit der Audiodatei. Noch diese letzte Arbeitswoche, dann habe ich endlich Urlaub. Dann wird alles gut.

Alles auf Anfang. Oder?


Alejandros Interpretation weicht sehr von dem ab, was ich in der Komposition intendiert habe. Das ist vor allem auf das Tempo zurückzuführen: Bei ihm dauert das Stück ein Drittel länger. Aber das ist völlig in Ordnung. Es entsteht dadurch eine andere, eigene Atmosphäre, die ich auch sehr mag, ja sogar liebe, je öfter ich seiner Interpretation zuhöre. Die Freiheit des Interpreten respektiere ich nicht nur, ich schätze sie.

Er bat mich, ein Partiturvideo anzufertigen und zu veröffentlichen, was ich heute Abend getan habe. Sein eigenes Video, wie er das Stück spielt, wird er in nächster Zeit veröffentlichen.

Es lohnt sich übrigens, Alejandros eigene Musik zu hören. Sie ist wunderschön. Nicht nur, wenn er sie selber spielt. Immer mehr seiner Musik wird auch von anderen Gitarristen gespielt und ist bei YouTube zu finden. Es ist spannend, die unterschiedlichen Interpretationen wahrzunehmen. Denn auch wenn es die gleiche Musik ist: Es sind unterschiedliche Menschen, die sich unterschiedlich äußern. Egal, wie sie heißen.

12 Gedanken zu „Alles auf Anfang

  1. Lieben Dank an euch beide für dieses schöne und spannende Klangerlebnis. ✨ Ich gehe davon aus, dass Alejandro Mejía Sánchez das nicht nur deutlich langsamer, sondern generell eine Spur „weicher“ oder „runder“ spielt, als es gedacht war. Aber es wirkt in sich stimmig – und das ist ja essentiell. So lange ein Stück nicht mutwillig verbogen wird, gibt es oft eine recht beachtliche Bandbreite an stimmigen Möglichkeiten. Und gelegentlich kann genau eine Interpretation am äußeren Rand dieser Bandbreite dem einen oder anderen Hörer seinen Zugang zum Werk ermöglichen.
    Mit einem klangvollen Abendgruß 🐻‍❄️

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  2. So sehe ich das auch, lieber Random. Alejandros Musik ist immer deutlich weicher, runder als meine. Vielleicht mag ich sie deswegen. Jeder hat seinen eigenen Charakter, der weder beim Komponieren noch beim Interpretieren verbogen werden mag. Er hat heute morgen auch ein Stück einer befreundeten Komponistin veröffentlicht, Diana Amanda Styne, deren Musik ich tief verehre. Hier zeigt sich Gleiches. Ihre Musik ist oft wie ein Schrei. Alejandro macht eine Erzählung daraus. Das trennt nicht. Es ist, ähnlich wie du es im Hinblick auf das Werk meinst, ein Zugang zum anderen Menschen. Jedenfalls für mich.
    Ganz herzlichen Dank, und liebe Grüße an dich. 🙂

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    1. Der Gitarrist hat ja auch bereits sein Instrument so ausgewählt, dass es zu seinem Charakter passt. Würde er sich verbiegen wollen, käme ihm unter Umständen der Charakter des Instruments (hilfreich) in die Quere.
      Ja, der Zugang zum anderen Menschen – das gehört meines Erachtens sehr wesentlich zur Musik dazu (man darf dies natürlich auch anders sehen, was dann aber außerhalb meiner wellenlänglichen Reichweite liegt).

      Gefällt 2 Personen

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