Gedicht für morgen

Was die Menschheit schmückt,
ist längst verloren.
Verwesung schon drückt
aus all ihren Poren.
Was nützt die Wut
über verlor’ne Broschen?
Ich nehm‘ den Hut
und halt‘ meine Goschen.

„Wie gut, wie fein, genau, hau raus, die Wut…“ las ich vorhin in einem Gedicht*.
Homo iratus ist noch nicht vom Aussterben bedroht. Oder doch?
______________________________________
* „Leben“ aus „Es ist angedichtet“ von Christine Jendrike, BoD Norderstedt 2022, S. 103

15 Gedanken zu „Gedicht für morgen

  1. Meines Erachtens ist es ein Grundrecht der Wut, als solche anerkannt zu werden. Sucht man sie zu verdrängen, wird sie in absehbarer Zeit mit vervielfachter Kraft zurückkommen. Wird die Wut aber erkannt und anerkannt, kann auch etwas Konstruktives daraus werden – so wie deine furiose Musik. Besonders im Verbund mit den Bildern wird klar, dass auch das Furiose eine Form der Lebens-Kraft ist.

    Sind das im Video Moschusochsen im Dovrefjell?

    Das Aussterben jeglicher irdischen Art ist eine Baustelle, auf der fleißig gearbeitet wird. Es ist möglicherweise die weltweit einzige Großbaustelle, bei der die Arbeiten schneller vorangehen, als einem lieb sein kann…

    Mit einem sanften Abendgruß 🐻

    Gefällt 4 Personen

    1. Das ist wahr. Ganz lieben Dank für die Verknüpfung! 🙂

      Es sind in der Tat Moschusochsen, in Grönland.

      Das Artensterben war tatsächlich ein Teil der Wutnahrung. In den letzten Tagen kam bei mir sehr viel zusammen, was den Umgang der Menschen mit anderen Menschen und der Welt betrifft, im Kleinen wie im Großen. Da hat sich eine Menge aufgestaut bei mir und gestern Abend etwas Luft verschafft. Homo sapiens hat sich selbst zum Untergang verdammt. Schlimm nur, was er dabei alles mitreißt.

      Ganz lieben Dank, und besänftige Abendgrüße auch an dich 🙂

      Gefällt 3 Personen

      1. Was ich beklage, ist, dass die von Ihnen genannten „großen Leistungen“ nicht der Normalstatus Aller ist. Die Tatsache, dass jene Leistungen als „groß“ eingestuft werden, entlarvt lediglich die eklatante Unzulänglichkeit und Bedürftigkeit des Menschen, will sagen der Menschheit.
        Ja, ich weiß, ab dieser Stelle beginnt resp. begann die Sehnsucht und das Streben nach dem sog. vollkommenen Menschen, dem „Neuen Menschen“. Wohin das gelangt ist, muss ich nicht erwähnen. Weder wir selber sind per se qua besserer Einsicht zur dauerhaften Umkehr und Besserung imstande noch durch staatlichen Zwang. Das ist bisher mittel- bis langfristig in die Binsen gegangen bzw. hat ausschließlich größeres Leid erzeugt anstatt Befreiung.

        Gefällt 2 Personen

  2. Feines Kurzpoem … die Stelle mit der Verwesung wirkt nach … die spielerische Anspielung auf Beethovens Wut über den verlorenen Groschen bringt mich zum Lächeln 🙂

    Noch nie Moschusochsen im Galopp gesehen, das sieht wirklich urig aus.
    Feine Kurzmusik 🙂 🙂 🙂

    Hab einen schönen Tag!
    HG vom Lu

    Gefällt 1 Person

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