Gilt Rilke noch?

Da rauscht der Bach

Da rauscht der Bach und dich, (der du ihn hörst)
dich weiß er nicht. Und drängst du deine Klage
den Lüften auf: er ringt durch reine Tage,
die du nicht hast, die du nicht störst.

Rainer Maria Rilke

30 Gedanken zu „Gilt Rilke noch?

    1. Soll man Rilke durch die heutige Brille sehen, um ihn „besser verstehen“ zu können?? Ich denke, mit solchen Kapriolen kann man dem Gemeinten, dem Gefühlten des Autors Rilke nicht gerecht werden. Damals schrieb man halt so, und man meinte es auch so nahezu direkt. Ein jeder Autor ist Kind seiner Generation, was ihn nicht veranlassen sollte, hochmütg über das Gewesene zu sprechen oder gar eine Bewertung für eine Rangfolge, also Hitliste, zu fabrizieren. Ich lassen mir „meinen“ Rilke nicht vermiesen! (Übrigens auch Hölderlin nicht.) 😊🙋‍♂️

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      1. Das ist richtig. Ich kannte es vorher gar nicht, obwohl mir Rilke an sich ganz und gar nicht unbekannt ist…
        Ich beurteile Bäche auch nur nach Augenschein, lieber Stefan, und kenne die Ergebnisse der jeweiligen Wasserqualität gar nicht 🙂

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    1. Nee 😂 Nach Papier war das Rilke-Forum mein erster digitaler Rilke-Kontakt. Die haben vor 11 Jahren eine Musik aus den 1980ern von mir geklaut, um ein Gedicht musikalisch zu unterlegen (war ok für mich, hab mich gefreut).
      Das liebe ich auch so an den Bächen. Ursprünglichkeit, Reinheit, Bescheidenheit. Potential, einen Ozean zu füllen. Doch dieser Blick auf den Bach: ❤️

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      1. Ich habe den Eindruck, dass es in der früheren Lyrik von Bächen nur so wimmelt. Auch für Herrn Müller, der lustvoll wanderte, hatten Bäche eine besondere Bedeutung. F.Schubert nahm sich seiner Texte an und verfertigte seine wunderbaren Liederzyklen – mit diversen Bächen des Herrn Müller.
        … Nur ein Beispiel … 😉😎

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      2. Ja, das kann ich mir gut vorstellen. Der Bach als Bild, als Symbol, als Methapher für das Ursprüngliche, für die Nähe zum unverfälschten Urspung, für Reinheit usw., wie bereits angemerkt worden ist.
        Und wer will denn schon wirklich, der solch einen Text liest, sich einen begradigten Bach mit verhärmtem Ufer und verarmter oder nicht mehr vorhandener Tierwelt, abwässerbelastet und schaumig und verfärbt, dabei vorstellen. Ich zumindest nicht; und Ihr sicher auch nicht. Die Sehnsucht nach ein wenig heiler Welt ist nicht totzukriegen. Das ist nicht verwerflich, sondern eher ein Aufruf.

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  1. Jedenfalls klingt der Bach bei dir so, wie er mir vertraut vorkommt. Obwohl er immer auf dem Weg des geringsten Widerstands unterwegs ist, wirkt es, als wäre er auf verschiedenen Wegen in unterschiedliche Richtungen unterwegs. Die Geräusche eines Baches gehören denn auch zu meinen Lieblingsgeräuschen – von Ferne ein Rauschen und aus der Nähe ein vielstimmiges Murmeln, Plätschern, Wispern…
    Die Bäche, wie ich sie kenne, finde ich in Rilkes Gedicht allerdings nicht wieder. Bäche und Menschen bleiben voneinander eigentlich nie unberührt. Auch verstehe ich das „…er ringt…“ vielleicht falsch. Aber für mich klingt das nach Kampf. Doch der Bach kämpft ja nicht. Er weiß die Schwerkraft auf seiner Seite, weicht allen Hindernissen elegant aus, wobei er letztlich selbst die härtesten Brocken im Lauf der Zeit abträgt.

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    1. Mit dem „ringen“ habe ich auch lange gekämpft (😉). Vielleicht fehlt mir das Wissen um früheren Gebrauch des Ausdrucks. Subjektiv aber wurde es mir zu einem Schlüssel eines Verständnisses. Mag sein, dass die härtesten Brocken damit zu tun haben.
      Ja, Lieblingsgeräusche … Auch für mich.
      Ich danke dir, lieber Random. Ganz liebe Grüße an dich. 🙂

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      1. Ja, die Frage stellt sich ja immer wieder: wie wurde ein Wort zur Entstehungszeit eines Textes verstanden? Oder Rilke mag diese Art, mäandernd an allen Hindernissen vorbei immer einen Weg zu finden, als „Ringen“ erschienen sein.
        Mit einem herzlichen Gruß zur behüteten Nacht 🐻

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      2. Das kann natürlich sein. Bei Rilke indes vermute ich Tieferes. Doch nicht selten schieße ich über’s Ziel hinaus. Wer weiß..
        Einen dankbaren Gruß an dich; auch dir eine behütete Nacht, lieber Random 💫

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  2. Lieber Stefan, Du weißt, dass die Dichtung von einst auch die meine ist. Das Rauschen des Baches ist für mich ein romantischer Vorgang. Das Wasser zeigt die Reinheit des Geistes. Gelöst aus dem Ursprünglichen unterstreicht er die Unaufhaltsamkeit der Natur und die doch unwiderrufbare Trennung von ihr. Das Rauschen des Wassers weckt in mir die Sehnsucht nach Freiheit und löst die Wahrnehmung der Zeit aus. Alles vergeht, nichts kann man festhalten…auch nicht das Leben selbst.
    Danke für das schöne Video und die klangvolle Untermalung. Liebe Grüße, Gisela

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    1. Ich mag dein Dichten, liebe Gisela. Und Rilke ohnehin. Die Überschrift meines Beitrags möchte nicht die Dichtkunst früherer Zeiten in Frage stellen; sie bezieht sich auf den Inhalt des Gedichts bzw. seine Deutungsmöglichkeiten.
      Romantisch ist ein guter Begriff, im guten Sinne des Wortes. Da geht es mir wie dir.
      Ganz lieben Dank für deine Gedanken, und liebe Grüße an dich!

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  3. wunderbar, rilkes worte und deine musik – und ja, liest man es heute, und wir können es ja nun aus der heutigen perspektive lesen, erweitert sich die bedeutungsebene durchaus bzw war sie vielleicht sogar schon damals da? spannend. danke für den feinen beitrag und liebe grüße! diana

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    1. Auf der psychologischen Deutungsebene, denke ich, werden Damals und Heute wohl ähnlich ausfallen. Rilke war mit der Mystik vertraut, vielleicht war er es auch mit dem Buddhismus (das weiß ich nicht), dessen Geist in gewissem Sinne in diesem Gedicht weht. Bei der ökologischen Deutungsebene (die ich zugegebenermaßen Rilke aufpfropfe) bin ich mir nicht so sicher.
      Ganz lieben Dank, liebe Diana, und liebe Grüße an dich!

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