… aber auf seinen Zweigen singen die Vögel

Manch ein emotional insolventer Mensch lebt sein Leben wie eine neonclusterzistische Symphonie plastique. Nichts ist echt, aber alles viel. Manch anderer spricht in einem kurzen Gedicht von der Tiefe eines gesamten Lebens.

Waldlichtung

Aus dem Schatten zu treten
Mit einem Mal

Auf tauschweren Gräsern
In stiller Qual
Die Sonne bricht

Als ob, was unser Leben prägt
Schmerzlich und gläsern
Sich niederschlägt
Zu reinem Licht

Michael Treinies

aus: Im Spiegel, Czernik-Verlag / Edition L, Hockenheim 2005, S. 26


(Bitte Kopfhörer benutzen)


Bereits beim Komponieren von „I’m an older man…“ hatte ich den Gedanken, eine Sinfonietta daraus zu machen. Gesagt, getan. Den ersten Satz schrieb ich zuletzt. Als ich darin steckenblieb, half Petra mir mit den Worten, die den Titel dieses Beitrags bilden, weiter. Sie gehören zu dem Bild eines gebrochenen Baums. Welch eine Metapher, passend zu dem zitierten Gedicht, das ich beim Schreiben der Sinfonietta in mir trug. Danke Petra. Danke Michael. Danke Bruni für deine Vermutung. Danke C. für die Locomotion zum richtigen Zeitpunkt. Danke Francesco. Von deinem Tod erfuhr ich heute morgen. Danke für deine Freundschaft, deine unablässige Freundlichkeit und dein Bemühen um Frieden und Brüderlichkeit in der Welt. Danke N. Danke R. Danke A. Ich kann gar nicht alle aufzählen. Danke an alle, die das Leben und die Welt ein wenig freundlicher, tiefer, leichter und echter machen.

22 Gedanken zu „… aber auf seinen Zweigen singen die Vögel

  1. Sich zu „lichten“ mag für einen Menschen gewiss nicht der sinnärmste aller möglichen Lebensinhalte sein…

    Eine tänzerische Anmut kennzeichnet für mein Empfinden alle vier Sätze deiner Sinfonietta. Und zwar eine, die nicht Schweres mit gekünstelter Leichtigkeit überspielt, sondern eine Anmut, die ganz bewusst mit der SchwerKraft spielt und die aus Erfahrung weiß, dass man auch aus großer Not eine Tugend machen kann. Es wird keine Energie daran verschwendet, die SchwerKraft zu bekämpfen. Sondern leichte und schwere, lichte und schattige Kräfte – sie alle bekommen, was ihnen gebührt, so dass sie sich die Waage halten. Dies kommt auch in der Orchestrierung zum Ausdruck, die selbst an kraftvoll-klangdichten Stellen eine transparente Leichtigkeit bewahrt.

    Mit einem herzlichen Abendgruß 🐻

    Gefällt 5 Personen

    1. Eine riesen Freude machst du mir mit deinem Kommentar, und ein riesen Kompliment dazu, lieber Random! Du weißt, wie ich komponiere: Einfach drauf los und dann fast wie in einem Rausch (solange ich nicht stecken bleibe), auch wenn Nachdenken natürlich auch etwas dabei ist. Wenn das Ergebnis dann so rüberkommt, wie du es beschreibst, dann ist das Ziel erreicht: Musik wird zur Sprache, zu einer Kommunikation zwischen Empfindungen des Musikers und des Hörers, oder wie ich es ausdrücken würde: zwischen Herzen. Die Freude, dass die viele Arbeit nicht umsonst war, spielt natürlich auch eine Rolle, und diese Freude ist groß. Von Herzen meinen Dank, lieber Random! 🙏

      Ganz liebe Grüße zur Nacht! 🙂💫

      Gefällt 3 Personen

      1. Lieben Dank für deine schöne Rückmeldung auf meinen Kommentar, die nun wiederum mich sehr freut. 🙂
        Einer direkten Kommunikation auf der Herzensebene ist es, denke ich, sehr zuträglich, wenn der Schaffensprozess seine Eigendynamik entfalten darf. Denn so kann vieles einfließen, was längst durchdacht und durchfühlt wurde und sich zu einer Herzensweisheit gewandelt hat, die sich rein mit den Werkzeugen des Verstandes wohl kaum adäquat ausdrücken und erfassen ließe. ✨🌀✨

        Gefällt 2 Personen

      2. Klarer lässt sich wohl nicht formulieren, warum ich – bei allem Respekt – mit rein konstruierter Musik meistens meine Schwierigkeiten habe. Ganz herzlichen Dank!
        Dir einen schönen Sonntag und ganz liebe Grüße an dich! 🙂🐾

        Gefällt 1 Person

    1. Liebe Bruni, das ist wieder so wunderschön! 🥰 Ist es nicht fantastisch, wie die Inspiration dieser Worte weitergegeben wird? Von Petra zu mir, als ich feststeckte, von mir zu dir und ein neues Gedicht entstand. Bild, Worte, Musik – alles verbunden wie die Menschen, die sie schufen.
      Ganz herzlichen Dank und liebe Grüße an dich! 🙂

      Gefällt 2 Personen

  2. Faszinierend, was da an Musik unf Zusammenarbeit herausgekommen ist! Schon das schöne Gedicht am Anfang und dann das in Brunis Kommentar! Ich finde viel davon in deiner dynamischen Symphonie wieder.
    Auch die Kommentare sind ein Fest! In deiner Musik finde ich das wieder, was mich so oft nachdenken ließ; Wie wird all der Schmer und das Leid in einem Menschenleben zur leichten Last ? Es ist sehr berührend, was du zum Schluss als Anmerkung schreibst und dass du diese Musik einem verstorbenen Freund widmest. Das alles macht einen Blog zu etwas ganz Besonderem! Wie schön, dass du dabei bist! Liebe Grüße an dich, Petra

    Gefällt 2 Personen

    1. Nun hatte ich doch Tränen in den Augen, liebe Petra. Dein Kommentar berührt mich sehr. Es wurde alles rund, als deine Worte der singenden Vögel zum gebrochenen Baum auftauchten. Das Gedicht von Michael im Hintergrund des Ganzen. Das aus Leid entstehende Licht. Ja, und dann Francesco. Er hat Licht verbreitet.
      Es ist schön, Teil dieser für jeden offenen Bloggergemeinschaft zu sein.
      Ich danke dir von Herzen, und ganz liebe Grüße an dich!

      Gefällt 2 Personen

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