Kannste vergessen …

… , so ’ne vorgenommene Generalpause, wenn die Musik wieder anfängt in dir zu fließen.

Auf meiner kleinen Urlaubsreise vergangene Woche hatte ich die Gelegenheit, drei Gemälde meines Onkels zu sehen, dessen Gedicht zu meinem ersten Geburtstag ich vor einem viertel Jahr hier vorgestellt hatte. Eines der Bilder hat mich besonders gefesselt. Ich glaube, es in einem Zeitungsbericht über eine Ausstellung seiner Bilder in den 1980er- oder 1990er-Jahren schon einmal gesehen zu haben. Jedenfalls war es wie ein Wiedersehen; ein Wiedersehen nach sehr langer Zeit, in der sehr viel geschehen ist. Vorgestern begann ich eine Musik zu diesem Bild zu schreiben, und am gestrigen Feierabend waren schließlich 12 Seiten mit Noten gefüllt.

Für mich schließt sich in gewisser Weise mit meines Onkels Gemälde ein Kreis zu seinem Gedicht. Und das hat etwas damit zu tun, was ich in meinem Leben mit anderen Menschen erfahren durfte, vor allem aber erfahren musste. Vielleicht deshalb begann die Musik in mir zu fließen…

Das in Öl gemalte kleine Bild (geschätzt ca. 25 cm x 18 cm) konnte ich nur gerahmt an der Wand hängend bei schlechtem Licht fotografieren. Es ist daher leider etwas unscharf, und die Lichtspiegelung bekam ich mit der Bildnachbearbeitungssoftware nicht vollständig entfernt. Auf einem großen Bildschirm und das Video in HD-Einstellung im Vollbildmodus sind dennoch die Details hinreichend erkennbar, die einen Zugang zu einem Verständnis ermöglichen.

Beim Hören der Musik – wie immer – Kopfhörer oder große Lautsprecher empfohlen.

21 Gedanken zu „Kannste vergessen …

  1. Da regt sich durchaus eine gewisse Ambivalenz. Die Vielfalt der faszinierenden Geschöpfe auf dem Bild. Man mag sie zwar durchaus gerne und mit Interesse betrachten. Aber eine gewisse Distanz käme einem dabei nicht ungelegen. Zumal sie von einer Art sind, die man nicht so recht durchschaut. Und arg viele sind es auch…
    Die Musik wiederum ist ein spannendes und energiegeladenes Abenteuer – allerdings mit einigen bangen „wenn das man bloß gut geht“-Momenten. Am Ende geht – wer hätte das gedacht? – doch alles gut aus. Und es war alles in allem einfach ein höchst lebendiges Abenteuer. Oder…?

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    1. Ein Kommentar mit therapeutischem Nutzen… 🙂 Heute Abend konnte ich in Erfahrung bringen, dass das Bild den Titel „Die Insektenkönigin“ trägt. Ein Titel, der mehr verschleiert als preisgibt. Aber er passt zu der fehlenden Distanz, welche dir angenehm wäre. Vielleicht gehört dazu auch das „Oder…?“, endet das Stück doch – tonal betrachtet – mit der angedeuteten Dominante (H-Dur zu e-Moll), statt mit der Tonika, also mit einem Verlangen nach Auflösung. Blickt man dann auf die aufgebrochene Rüstung, das Angebot, (fast) angstfrei zu nähren, aber auch auf das sicher hochgehaltene Universum, dann ist doch die Idee vom Abenteuer mit gutem Ende eines Pfirsichs starker Kern. Meinen Dank von ganzem Herzen, lieber Random.

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      1. Lieben Dank für deine aufschlußreiche Antwort. 🙂
        Der Titel des Bildes passt ganz und gar zu dieser Nähe, die mir eher zu viel wäre.
        Das „Oder…?“ drückt eine verwundert-fragende Haltung gegenüber dem „Ende“ aus. Eben weil es irgendwie nicht so „endig“ wirkt, wie man es wohl erwartet hätte. Und das Gute am „guten Ende“ mag ja letztlich wohl auch sein, dass es eben nicht wirklich ein Ende ist…
        Mit einem herzlichen Abendgruß 🐻

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      2. Ich kann dich verstehen, die Nähe so vieler Tiere dieser Art wäre auch mir zu viel (vom Schmetterling abgesehen).
        Und ja, ein Ende sollte es besser nicht sein. Letztlich ist es ein Bild des Lebens.
        Meinen Dank und liebe Grüße an dich! 🙂

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  2. Selbst das chaotischste Leben ist einer natürlichen Ordnung unterworfen. Die Natur hält das Zepter in der Hand. Sie regelt alles und scheut sich nicht vor den krabbeligsten ‚Untertanen‘, ist Heimat für alles Leben, das sie lenkt, jedes Wirren glättet und letztendlich freundlich zum Ausklang bringt.

    Wie schön, dass die Musik ihren Weg zu finden wusste, lieber Stefan. Ich freue mich über Deine Rückkehr und bedanke mich für die Vielfalt Deiner Klänge. Liebe Grüße, Gisela

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  3. Es ist doch müßig vorsprachliche Bilder und Töne durch Interpretation zu zerreden. Ich lasse mich einfach mit hineinfließen und schaue ohne Einmischung was geschieht, wie es phänomenal geschieht … Auch das bist du.🙃

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  4. Also, ich möchte niemanden etwas aufschlüsseln, sondern versuche nur, meine Erlebnis mit dem Gedicht und deiner Musik zu schildern. Zusammen mit anderen kann dann immer ein farbiges Puzzle aus Mosaiksteinen entstehen.
    Bild und Musik passen für mich sehr gut. Für mich geht es da in beiden um aggressives Verlangen und Begehren, das uns oft nicht bewusst ist. Es wiederholt sich immer wieder und macht uns zu Gefangenen. Auch unterdrückt schadet es einem selbst und den anderen. Es führt zu Klagen, Protesten, Kampf . Die Sehnsucht, daraus zu kommen, bleibt. Ich finde das in beidem sehr überzeugend wieder.
    Voll faszinierende Musik! Liebe Grüße, Petra

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    1. Da sind unsere Wahrnehmung und Deutung sehr nahe aneinander, liebe Petra. Das sich verwundbar machen, und das Angebot, dieses Verlangen und Begehren zu nähren, treten für mich in dem Bild zentral noch hinzu.
      Ganz herzlichen Dank für deine Gedanken!! Liebe Grüße an dich!

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