Die vergessene Eile

Heute in der Frühe begrüßte mich in meinem Garten unweit des Kirschbaums eine Weinbergschnecke, die im vom Morgentau benetztem Gras ihren Walzer der Langsamkeit tanzte. Ein Fischlein im Tautropfen tanzte mit, sichtlich bemüht, das Tempo seiner Lebensfreude immer wieder auf den Tanz der Schnecke einzubremsen. Der Schmetterling des gestrigen Tages schmiegte sich als Erinnerung seiner Jugend zärtlich an einen Grashalm im Wind und sah den beiden still zu…

Nr. 3 aus „Gazes into Nature“ für Klavier op. 68


(Die Begegnung am Morgen war so inspirierend, dass ich Ches Mittagspause und meinen Feierabend nutzte, um Nr. 3 meiner „Blicke in die Natur“ zu komponieren. Ich beeilte mich ganz langsam.)

13 Gedanken zu „Die vergessene Eile

  1. Die Schmetterlingsleichtigkeit scheint auch der Schnecke und dem Fischlein nicht fremd zu sein. Keine plumpe Schwerfälligkeit, sondern eine Leichtigkeit, die möglicherweise jene gewinnen, die fähig sind, den Nektar des „Jetzt“ in jedem Augenblick auszukosten. 🙂
    Mit einem leicht-sinnigen Abendgruß 🐻

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  2. Ein feines Stück ! In der „vergessenen Eile“ wird das Vergessen so richtig positiv und das hat auch deine Musik in sich . Einfach da sein. Aufmerksam.
    In der Eile verlieren wir Lebenszeit, obwohl wir sie doch nutzen wollen. Was an Zauber , Beobachtungen, ja Entdeckungen und Phantasie dabei rauskommt, erzählt deine Musik! Und da kann sich auch schon mal eine Schnecke in einen Fisch verwandeln, wie ich’s gegen Ende des Videos in der umgedrehten Schnecke sehe. 😉 Liebe Grüße, Petra

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    1. Herzlichen Dank, liebe Petra!
      Ja, es gibt sie, diese Momente des Zaubers und der Phantasie, in der die Zeit sich verlangsamt, wenn man sich selbst verlangsamt. Auch, wenn der Alltag es oft nicht zulässt. In der Phantasie sieht man manchmal klarer als in der Realität, und eine in einen Fisch verwandelte Schnecke hat ihre eigene Wahrheit. 🙂
      Liebe Grüße an dich!

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    1. Schrödinger sucht zusammen mit Schröder, weil beide ein Herz haben, wo andere einen Stein haben.
      (Ich glaube, dass gerade Tom das versteht, lieber Franz. Was sehen wir im Tautropfen unter der Lupe? Vielleicht ja unser Spiegelbild ,,,[verzerrt?] gespiegelt… Gehört das nicht zu uns?). Übrigens: Ich liebe Schröder. Auf ihre Frage, was der Sinn des Lebens sei, brüllte er Lucy an: „Beethoven!!“
      Ganz liebe Grüße an dich.

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      1. Tom würde vielleicht sagen, alles was draussen zu sehen ist, kann nur ein Spiegelbild der inneren Befindlichkeit sein. Wir haben doch stets eine primär subjektive Sicht auf die Welt, selbst als Wissenschaftler.
        Toms Herz ist sowieso ein Synonym für Schmerz. Keine Ahnung, warum es ihm nie gelingt, einen Stein draus zu machen. Das Leben wäre um einiges einfacher… aber auch ärmer.
        LG Franz

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