Ein Europäer in Arabien

Ein Drama in 90 Sekunden.


Ich komme mir vor wie ein Prüfling vor seiner Prüfung. „Compose something and dedicate it to me please“1 schrieb gestern vormittag Abdulaziz Shabakouh, den ich vergangenes Jahr in diesem Blog ja schon mal vorgestellt hatte, in aller Facebooköffentlichkeit an mich. „That would be presumptuous of me. I’m not good enough for that.“2 antwortete ich. Das sah er anders, und so fühlte ich mich ihm verpflichtet, denn er hat menschlich viel für mich getan.

Doch nach wie vor empfinde ich, der Hobby-Compositeur, es als anmaßend und überheblich, einem großartigen professionellen Komponisten wie ihm ein Stück zu widmen. Also entschloss ich mich, ihm augenzwinkernd eine Marginalie zu schreiben. Unter anderem mit den Worten

Like „An American in Paris“ or „A Frenchman in New York“, so „A European in Arabia“ probably has his ideas about the country he would like to visit one day. Inevitably clichés intervene, forgive the dreaming traveler.3

habe ich es online gestellt.

Reagiert hat er noch nicht. Das kann daran liegen, dass in Kuweit die Arbeitswoche Sonntags beginnt (er unterrichtet an einer Musikhochschule). Es kann aber auch daran liegen, dass er es nicht mag. Denn von sich aus sagt er nie etwas, wenn ihm ein Stück nicht gefällt (wenn er ansonsten auch sehr deutlich seine Meinung sagen kann). Durchgefallen.

Wer sich das Stück anhören möchte, bitte Kopfhörer benutzen (ihr wisst schon…)

_____________________________________________

Übersetzungen:

1 Komponiere etwas und widme es mir bitte

2 Das wäre anmaßend von mir. Dafür bin ich nicht gut genug.

3 Wie „Ein Amerikaner in Paris“ oder „A frenchman in New York“ so hat wohl auch „Ein Europäer in Arabien“ seine Vorstellungen von dem Land, das er gerne eines Tages bereisen würde. Zwangsläufig mischen sich Klischees ein, sieh es den träumend Reisenden nach.

29 Gedanken zu „Ein Europäer in Arabien

  1. Hallo Stefan

    Wenn du nicht gut genug bist und humorlos, dann bin ich eine Talentfreie Hobbygärtnerin. Du stapelst mal wieder sehr tief, darin bist du ein Profi. 😉
    Für mich klingt es nach einen langen Flug und anschließenden Eintauchen in die bunte Welt der Arabischen Länder.

    Liebe Abendgrüße zu dir 🙂🐾🌠

    P.S. Du solltest dir ein anderes Hobby zulegen. *Breitgrins*

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  2. Eine fulminante Klangreise. Oder vielleicht sollte ich besser sagen ein AusFLUG – denn das von Che eingebrachte Bild vom fliegenden Teppich finde ich sehr passend. Aus deinem Text schließe ich, dass es sich um eine Fantasiereise handelt. Vom klanglichen Eindruck her könnte es aber genau so gut die Erinnerung an eine tatsächliche Reise sein. Jedenfalls eine schöne Vorstellung. 🙂

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    1. In Arabien war ich noch nicht. Nicht mal Fantasie habe ich aufgebracht, nur gedankenlos in einem völlig übermüdeten (hab noch immer nicht richtig geschlafen) Flow (bzw. Delirium 😂) weniger Stunden geschrieben. Die orientalische Atmosphäre ergibt sich daraus, dass das ganze Stück aus einer einzigen arabischen Tonleiter, verschieden moduliert, besteht („Nawa athar“ heißt sie, schrieb mir Aziz vor einem Jahr, ein persisches Wort, das so viel bedeutet wie „Intervalleindruck“).
      Herzlichen Dank, lieber Random! 🙂

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  3. Hallo Nati,

    deine Blumenfotos sprechen für sich. ❤️

    Ich bin vielleicht nicht völlig talentfrei, aber von den Sprechenden definitiv überschätzt. Die Schweigenden wissen das 😂

    Anderes Hobby geht nicht, Haily liebt es ja, wenn ich komponiere. Dann ist die Heizung so schön warm. 😂

    Vielen Dank, und liebe Grüße auch an dich! 😊💫🐾

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    1. Blumenfotos kann jeder machen. Lach…
      Warte nur ab, er wird dir eine Antwort zukommen lassen.
      Schließlich hat er dich drum gebeten. 🙂
      Siehst du, selbst Haily weiß dein Talent zu schätzen. 🎶
      Etwas mehr Überzeugung von dir selbst würde dir, neben deinen feinen Humor, gut zu Gesicht stehen.
      Ich danke dir. 🤗🎶🐾🍀

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      1. Ganz ehrlich: Ich dachte, das ganze sei ein Fehler (s. Kategorien zu diesem Beitrag). Nun ist das Stück bei Aziz und anderen auf Facebook weit besser angekommen als meine Resthoffnung zuließ. Seine Freude macht mich glücklich. 😊

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      2. Ich habe die Kommentare bei YT gerade gelesen. 🙂
        Schön, ich freue mich für dich und wünsche dir fürs nächste Mal etwas mehr Geduld und eigenes Vertrauen in dein Können. 💕🍀

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  4. Kleine technische Anmerkung: bei 0:57 gibt es ein störendes Klick-Geräusch. Möglicherweise wurde die Datei beim Hochladen „angerempelt.“ Vielleicht lässt sich das noch reparieren. Es ist zwar nicht schwerwiegend, da es eine nicht ganz so empfindliche Stelle trifft. 😉 Schade ist es dennoch.

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  5. Also, ich habe seinen Kommentar gelesen :), du warst wohl eine Winzigkeit zu ungeduldig … mein Eindruck war nicht der, dass du „durchgefallen“ bist! Beim Hören dachte ich mir, vermutlich hört er sich das Stück genau an, da ist ja unglaublich viel drin …. und recht hatte ich 🙂

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  6. Lieber Stefan, ein wenig fühle ich mich zurückgesetzt in den Film Lawrence of Arabia – Main Theme – Maurice Jarre. In Deiner Musik fehlt mir ein wenig der arabische Klang. Ich habe ihn an nur einer einzigen Stelle hören können. Aber es heißt ja auch ein Europäer in Arabien. Liebe Grüße, Gisela

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    1. Jarre hat eine unvergessliche Melodie geschrieben, liebe Gisela.
      Es nimmt wohl jeder anders wahr, wie du aus den Kommentaren entnehmen kannst, wobei ich ja nicht arabische Musik kopieren wollte. „Themen, die aus einer „europäischen“ Denkweise stammen, aber geschickt mit „arabischen“ Stimmungen gemischt werden.“ beschrieb es jemand an anderer Stelle. So wie du auch sagst, ein Europäer in Arabien.
      Vielen Dank und liebe Grüße!

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