Das vergessene Versprechen

Wie bist du so erbleichet,
wer hat dein Augenlicht,
dem sonst kein Licht nicht gleichet,
so schändlich zugericht’?

Aus der 2. Strophe des Chorals „O Haupt voll Blut und Wunden“



Diese kleine Musik ist gestern Abend entstanden, nachdem ich die Bilder aus Butscha sah. Eine ganz andere Musik wollte ich dazu schreiben, doch es schrieb sich wie von selbst diese eigenartige Verfassung.

Wer daran interessiert ist, sie anzuhören, sollte Kopfhörer verwenden. Nicht nur, dass der Smartphonelautsprecher die dynamischen Relationen verzerrt, gibt er auch die leisen Töne im Pedal der Orgel nicht wieder.

25 Gedanken zu „Das vergessene Versprechen

  1. sehr stark wirkt diese Musik auf mich, ergreift mir den Rücken und das Hinterhaupt, und die Haare sträuben sich leicht. Ich weiß nicht, ist es Klage? Nur zum Teil, in den Höhen. Es kommen auch Schrecken hoch, geradewegs aus der Hölle scheinen sie aufzusteigen.

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  2. Für mich klingt es, als würde hier ein Engel sich tröstend dem Menschen zuwenden. Diese hohen Töne mögen an eine Klage erinnern. Ich interpretiere sie so, dass der Engel sich auf die Gemütsverfassung des Menschen sympathisch einstimmt. Es lässt sich auch zwischendurch vernehmen, welch l(e)ichten Sphären der Engel angehört. Zwischendurch ein Aufbrausen – das Grauen aus menschlicher Sicht… Bemerkenswert finde ich, wie der Choral dann fast gedankenverloren eigene Wege geht. Wie ein Nachsinnen darüber, dass das „Haupt voll Blut und Wunden“ ja nur ein Teil der Geschichte ist…
    Mit einem herzlichen Abendgruß 🐻

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    1. Wie viel du wieder wahrnimmst… Auch für mich repräsentieren die hohen Töne mehr das Licht. Vielleicht vergessen sie des Menschen Klage nicht, so wie das Paradies die Hölle, das Grauen nicht vergisst. Geschichte und Gegenwart, zu allen Zeiten waren Menschen Menschen und der Welt das Paradies, und die Hölle…
      Von Herzen meinen Dank, und liebe Grüße an dich. ❤️

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    1. Auch Alain kannte ich nicht, habe gleich bei YT in einiges hineingehört und tatsächlich auch eine Stelle entdeckt, in der die 4′-Pfeifen sirren wie in den zwei Stellen in meinem Stück. Seine Musik ist echt WOW! Bei Wikipedia habe ich seine Biografie nachgelesen. Nur 29 Jahre alt geworden, auch er ein Opfer dieser wahnsinnigen Kriege… 😢

      Ich danke dir, lieber Lu, und grüße dich herzlich!

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  3. Das Grauen, das Grausame.. Es kommt leise, fast hinterhältig….es zerstört mit aller Wucht, auf unmenschlich… Dann geht es, ohne sich umzudrehen….
    Töne, die mich erschüttern…. Weil sie abbilden, wozu Menschen fähig sind…. Wann wacht diese Welt auf?
    Danke für Deine Inspiration, lieber Stefan
    Grüße von Luale

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    1. Ja, viele von uns sind derzeit tief erschüttert von dem, was Menschen anderen Menschen antun. Dabei ist es nicht immer einfach, den Verflechtungen zu entkommen. Reiner schrieb heute darüber: https://wupperpostille.wordpress.com/2022/04/06/mittwoch-220406/
      Werden wir damit leben müssen? Oder gelingt es irgendwann, das Entstehen solcher Verflechtungen frühzeitig zu unterbinden und der Welt zu einem Aufwachen zu verhelfen?
      Vielen Dank für deine Worte, liebe Luale, und liebe Grüße an dich!

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