Wir ohne Ihr

Hänschen sprach:
Jeder stirbt für sich allein
,
doch gemeinsam leben, das wär fein.

Wenn alles den Bach runter geht,
Ideale von der Gischt verweht,
niemand seinem Sog widersteht,
sich alles nur um’s eigene Glück noch dreht,

dann fällt ein Same ins Wasser,
zieht vorbei an jedem Hasser,

verfängt sich am Spülsaum,
wird langsam zum Baum,

keimt für das, was einst galt,
Beginn für einen neuen Wald.

Denn nur in Gemeinschaft kehrt zurück

unser aller Glück.

***

34 Gedanken zu „Wir ohne Ihr

  1. Das sehe ich sehr anders: Jede Person kann immer nur sich selbst glücklich machen, und ist auch nur für dieses eigene Glück verantwortlich. Mit der Erwartung, dass jemand anderes einen glücklich zu machen hat, macht man diese/n andere/n und sich selbst unglücklich.
    Erst, wenn du selbst aus dir heraus glücklich bist, kannst du dieses Glück auch nach Außen ausstrahlen. Ansonsten strahlst du Mangel nach Außen … . Und das wird kein gesunder Wald … .
    Sorry für diese vielleicht hart wirkenden Worte – ich komme frisch gestärkt aus den Rauhnächten. Und diese lange Zeit in der Stille hat mir sehr deutlich gemacht, wie unglaublich wichtig es für die Menschen generell ist, bei sich anzusetzen, statt immer bei den/m anderen … .

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    1. Alles okay, liebe Maren. Ich habe deinen letzten Beitrag dazu gelesen („Das Prinzessinenkleid“), und er war der letztliche Auslöser für mein Gedicht. Wir kommen da nicht auf einen gemeinsamen Nenner. So steht meine Sicht neben deiner.
      Dennoch danke für’s Mitteilen deiner Sicht!

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  2. Ich glaube, ihr – Maren und du – meint gar nicht dasselbe mit dem „sich alles nur ums eigene Glück noch dreht“ – „nur“ und „alles“ machen den Satz von dir, Stefan, für mich richtig, auch die Überschrift „Wir ohne Ihr“. Das nur nebenbei. – Ich mag vor allem das Bild vom Samen, der mit dem Bach davontreibt und sich verwurzelt, zum Baum heranwächst. In deiner Musik gibt es einen kurzen Halt gegen Ende, der Moment, wo der Samen sich verfängt. Die Folge – das Verwurzeln, das Heranwachsen des Baumes – hast du (noch nicht?) vertont.

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    1. Die Musik, liebe Gerda, ist natürlich vordergründig ein Gag. Bach geht den Bach runter. Aber in der Tat steht auch eine Symbolik im Hinblick auf mein Gedicht dahinter. Das c-Moll-Präludium aus dem Wohltemperierten Klavier am Anfang und das Zitat aus der d-Moll-Toccata am Schluss bilden den Rahmen. Die bekannteste Air von Bach wird zunächst polytonal zitiert – Schönheit bricht („Jesu meine Freude“ ging wegen dem Dreierrhythmus nicht). Dann wird „Oh Haupt voll Blut und Wunden“ aus Bachs Matthäus-Passion zitiert – der Mensch, der für das Gegenteil von Egozentrik und Egoismus steht, wird ans Kreuz genagelt. Und schließlich erklingt das James-Bond-Thema – Bond, ein Mann, der Eiseskälte represäntiert, andere ausnutzt, und tötet, ohne mit der Wimper zu zucken. S. D. G., Bach geht den Bach runter.
      Vielen Dank für deine Gedanken!

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      1. Ganz herzlichen Dank für die musikalische Entschlüsselung , lieber Stefan! Du hast mir damit ein sehr großes Geschenk gemacht, denn ohne solche Einstiegshilfe ist es mir unmöglich, die Motive herauszuhören. Jetzt werde ich das Stück einfach so lange anhören, bis ich die Motive identifizieren kann.

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      2. Ganz herzlichen Dank für die musikalische Entschlüsselung , lieber Stefan! Du hast mir damit ein sehr großes Geschenk gemacht, denn ohne solche Einstiegshilfe ist es mir unmöglich, die Motive herauszuhören. Jetzt werde ich das Stück einfach so lange anhören, bis ich die Motive identifizieren kann. …. Ich habs versucht, aber „Das Haupt voll Blut und Wunden“ kann ich nicht heraushören, das Tempo ist zu rasant. Das kann man natürlich auch wieder symbolisch verstehen….

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      1. Es ist ja keine Frage eines Versuchs. Das Thema füllt Bibliotheken. Beispiele kann ich höchstens geben, wenn sie auch nur stets unzureichende Ausschnitte sind. Z.B. ist eine allgemeine Zufriedenheit schon ein großes Glück. Temporäre hormonelle Zustände können Glücksmomente sein. Spirituelle Reife kann eine Glücksschicht im Hintergrund eines Lebens sein. Mitfühlende Menschen können für einen Leidenden ein sehr großes Glück darstellen. Usw.
        Danke dir, auch dir einen schönen Abend und liebe Grüße an dich!

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      2. doch, ist es. meine frage war nicht: was ist glück, da würde ich dir mit der bibliothek zustimmen.
        ich fragte stattdessen: was bedeutet glück für dich. das sollte auch ohne bibliothek zu beantworten sein, da es eine persönliche frage ist.
        liebe grüße, m.

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      3. Du darfst die Beispiele gerne auf meine Person münzen. Das passt auch als persönliche Antwort. Ich bin nicht mehr ganz jung, und mir hat das Leben die einfachen Antworten zerschlagen.
        Liebe Grüße auch an dich!

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  3. Das finde ich sehr vielsagend, wie hier das „Wohltemperierte“ am Anfang steht – und sobald dies verwässert wird (auch bemerkenswert, dass man Bach mit Bach verwässern kann…), läutet dies sozusagen den Anfang vom Ende ein. „Wohltemperiert“ hat ja mit einem ausgewogenen Maß zu tun. Und wo dies verschwindet, steht auch das „Wir“ auf verlorenem Posten. Bei James Bond kenne ich mich nicht aus, aber soweit ich das verstehe, dürfte da ein „der Zweck heiligt die Mittel“ im Vordergrund stehen. Wobei die „heiligen Mittel“ ja leicht zum Selbstzweck verkommen können. Letztlich ist dein Same durchaus auch musikalisch ein Hoffnungskeim – immerhin hat Bach hier das letzte „Wort.“ 🙂

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  4. „Bach mit Bach verwässern“ – klasse 😂! Klasse ohnehin dein ganzer Kommentar. Du näherst dich auch meiner Position an. Was das Religiöse betrifft, dient es hier der Symbolik (für Bach war beides auch verbunden). Meinen herzlichen Dank! 🙂

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  5. Grandios! 🙂
    Damit ist zur Musik alles gesagt, den Text würde ich gerne um eine Zeile ergänzen:
    so es denn will
    Glück ist nicht verfügbar; es steht jenseits aller Machbarkeit, aller Verantwortbarkeit. Es ereignet sich und wem es sich ereignet, der hat: Glück gehabt.
    In der Zwischenzeit üben wir uns in Glaube, Liebe und Hoffnung: gemeinsam.
    LG Michael

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    1. Gemeinsam ❤️
      Von ganzem Herzen meinen Dank, lieber Michael!
      (Nur eine kleine Anmerkung: Sich auch für das Glück der Anderen verantwortlich zu fühlen, macht etwas mit uns. Aber es setzt auch etwas voraus, und das steckt in der Liebe, die du nanntest.)
      Ganz liebe Grüße an dich!

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