Haily

„Mein Tinnitus begann noch während der Uraufführung meiner 4-sätzigen Sinfonie für 33 Triangel.“
„Denk positiv!“ antwortete Haily, „Sei froh, dass du nicht 33 Variationen über die Arie der Königin der Nacht für 4 Koloratursoprane komponiert hast.“

Anfangs nahm Haily, wenn sie beim Komponieren mit in meinem Arbeitszimmer war, vor allem bei Pauken panisch Reißaus. Mittlerweile kommt sie immer freudig angerannt, wenn sie merkt, dass ich zum Komponieren ins Arbeitszimmer gehe, kuschelt sich dann hinter mir an die warme Heizung oder auf dem Sofa an ihren Gorilla, und schläft selbst bei Fortissimo-Tutti tief und fest. Nur dann und wann äußert sie mal Kritik oder eine Anregung (so hat sie z.B. das Crescendo-Motiv in „Inner Scene“ angeregt: „Wwwwwwuff!“ träumte sie, und zwei bis drei Stunden später war die Komposition fertig).

Ein halbes Jahr ist Haily nun bei mir, und es wird Zeit, ein wenig zu berichten. Einige meiner Leser haben ja mitbekommen, dass im Frühjahr mein Wildentenpärchen mich zu einem Hund „überredete“, dass ich mich gleich in Haily verliebte, aber noch ein viertel Jahr auf sie warten musste, da sie in Rumänien hochträchtig aufgefunden wurde, was diese Hündin dennoch bereits für mich bedeutete, und warum, und dass ich ihr bis zu ihrer Ankunft in Deutschland bereits zwei Kompositionen gewidmet hatte, …

Aber was berichte ich? Soviel ist geschehen seit ihrer Ankunft im Juli letzten Jahres. Wie sie vorsichtig und ängstlich zum ersten Mal die Transportbox verließ, wenige Minuten danach unaufgefordert und wie selbstverständlich ihr neues Körbchen in Beschlag nahm, als wäre von Anfang an klar: „Hier bleibe ich jetzt für immer!“ Wie sie sich nicht aus dem Zimmer traute und ich sie in die anderen Räume und in den Garten tragen musste. Sie kannte nichts, konnte nichts, und hatte vor allem Angst. Wie sie am ersten Abend zwei Stunden gebannt auf den Fernseher starrte, weil sie so etwas nicht kannte, während ich sie streichelte und kraulte (vom ersten Moment an durfte ich das, während sie sich ansonsten das ganze halbe Jahr von niemand sonst anfassen lies – außer dann noch von der Person, die sie an meinen wöchentlichen zwei Bürotagen betreut).

Haily mit ihrer „Lehrerin“ und besten Freundin

Spazierengehen musste ich ihr erst langwierig beibringen, stets begleitet von ihrer Panik vor Autos, Lkws, Flugzeugen, Rasenmähern, Menschen, Baugerüsten, … Zum Glück ist da die Hündin der mitbetreuenden Person, die von Beginn an ihre beste Freundin und geduldige Lehrerin wurde. Sie war es auch, die Haily nach vier Wochen endlich beigebracht hat, wie man die Treppe ins Dachgeschoss begeht, und Haily dann immer wieder vollauf begeistert rauf und runter rannte. Aber im Garten und in der Natur fühlte sie sich sicher und glücklich. Vor Wasser hatte sie Angst, bis ihre Lehrerin sie mal versehentlich hineinschubste. Seit dem ist Haily eine richtige Wasserratte, schwimmt und plantscht mit Begeisterung.

Am liebsten tollt sie mit anderen Hunden herum. Da hat sie keine Berührungsängste. Genauso wie bei Katzen, die sie liebt (die Katzen sehen das meist anders). Kein Wunder, hat sie ihr bisheriges Leben doch in einem großen Rudel verwahrloster Hunde und Katzen verbracht, bevor sie ins Tierheim kam. Jeden Abend kuschelt sie sich auf dem Sofa dann müde an mich, und lässt sich stundenlang von mir kraulen …

Nach dem Spielen am Strand

Doch genug, es gäbe tausend Dinge zu berichten. Nur soviel: Oft wurde geäußert, Haily und ich seien füreinander bestimmt. Ja, so ist es. Vom ersten Moment an. Beiderseitig: Eine große Liebe. Wir sind glücklich miteinander.

In einem kleinen Video habe ich ein paar Impressionen zusammengestellt, wie Haily sich seit ihrer Ankunft „gemausert“ hat und ihr Leben nun in vollen Zügen genießt:

21 Gedanken zu „Haily

  1. Lieber Stefan, mir geht’s wie Nati. Mein Herz springt vor Freude, während ich wirklich mit den Tränen kämpfen muss vor lauter Gerührtheit. Aber eines ist wirklich definitiv sicher: Haily wurde nur für Dich geboren. Leider musste sie ein paar Umwege nehmen, bis sie dann endlich zu Dir gekommen ist. Aber jetzt ist alles gut … auch für Haily … und ich freue mich riesig für Dich, aber fast noch mehr für Haily, dass sie zu ihrem Seelenmenschen gefunden hat. Ich wünsche Euch nur das Allerbeste und viele, viele gemeinsame Jahre.

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    1. Ganz vielen lieben Dank, liebe Gitti! Beim Lesen deiner Worte musste nun ich mit den Tränen kämpfen. Ich bin so glücklich mit Haily und Dogsouls so dankbar! (Jetzt weiß ich auch wieder, warum mir dein Name so bekannt vorkam). Vielen Dank, alles Liebe und von Herzen liebe Grüße an dich! ❤️🐾

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  2. Lieber Stefan, wirklich sehr berührend, Deine Geschichte. Dein Hündchen liebt Dich sehr. Tiere sind so dankbar und immer ehrlich. Dein liebes, kleines Seelchen wird immer treu an Deiner Seite sein. Gib auf Euch acht und bleibt gesund und munter – wie in Deinem Video. Liebe Grüße, Gisela

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    1. Vielen Dank, liebe Gisela! Ich bin unendlich dankbar für dieses Seelchen. Ja, Hunde sind dankbar, ehrlich und treu, das habe ich ein Leben lang erfahren dürfen. Sind wir Menschen es auch? Gestern las ich (sinngemäß) irgendwo, dass am Ende unseres Lebens alle Tiere, denen wir in unserem Leben begegnet sind, auf der Brücke zum Himmel stehen werden und darüber entscheiden, ob wir rüber dürfen.
      Liebe Grüße an dich!

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      1. Lieber Stefan, da müssen aber dann viele stehen…aber es gibt einige, die „Nein!“ sagen könnten. Ich denke da an Zerberus, dem Höllenhund und die vielen armen Geschöpfe, die auf meinem Teller gelandet sind. Wollen wir das Beste hoffen! Liebe Grüße und einen schönen Sonntag.

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  3. Das ist einfach traumhaft schön. 🙂 Es ist immer wieder erstaunlich, wie Fellnasen zu genau ihren Menschen finden. Auf kreuzundqueren Wegen – gerade so, als trachte die Wahrscheinlichkeit nach Kräften danach, die Begegnung zu vereiteln. Aber die Begegnung findet statt. Und es passt. Perfektion in Aktion. Es ist auch ganz wundervoll, wie sehr sie Schritt für Schritt Vertrauen gefasst und Lebensfreude entwickelt hat. Die Gespenster früher Lebenserfahrungen sind ja oft schwer zu überwinden.
    Mit einem entzückten Abendgruß 🐻

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    1. Wieder einmal machst du mir mit deinen Worten eine riesen Freude! Es ist ja nicht so, dass ich nicht auch manchmal zweifeln würde, ob ich der Verantwortung gerecht werden kann. Wenn das eigene Gefühl gestärkt wird durch solchen Zuspruch, dann wächst das Vertrauen in die Richtigkeit des Geschehens. Meinen herzlichen Dank, und liebe Grüße an dich! 🙂🐾

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    1. Vielen Dank, liebe Bruni!
      Ich persönlich habe eine so treue und loyale Freundschaft wie mit meinen Hunden mit Menschen noch nicht erlebt.
      Ich wünsche deiner Tochter alles Gute mit ihrem vierbeinigen Freund!
      Liebe Grüße an dich!

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  4. Die soll es aber auch geben, lieber Stefan.
    Es ist der zweite Hund meiner Tochter. Sie kann nicht ohne Tiere und hat ein Händchen für sie. Mija kam aus Bulgarien und ließ keinen an sich heran. Heute ist sie ein glücklicher und sehr sanftmütiger Tag- und Nachtbegleiter.
    Liebe Grüße von Bruni

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