Am Nordpol wachsen keine Blumen

Sei’s drum. In einer Wüste setzte mich der Dichter ab, und forderte mich auf, die Blumen zu wässern.

***

Der Duft

Wer bist du, Unbegreiflicher: du Geist,
wie weißt du mich von wo und wann zu finden,
der du das Innere (wie ein Erblinden)
so innig machst, daß es sich schließt und kreist.

Der Liebende, der eine an sich reißt,
hat sie nicht nah; nur du allein bist Nähe.
Wen hast du nicht durchtränkt als ob du jähe
die Farben seiner Augen seist.

Ach, wer Musik in einem Spiegel sähe,
der sähe dich und wüsste, wie du heißt.

Rainer Maria Rilke

(Dies ist kein Corona-Song; und auch nicht die musikalische Schilderung eines Spaziergangs mit meinem Hund und einem aus der Hand gerutschten Beutel.)

22 Gedanken zu „Am Nordpol wachsen keine Blumen

  1. Michael hat ein vortreffliches Bild ‚gemalt‘, lieber Stefan.

    Ich sah Dich am offenen Fenster stehen. Du schautest in die Nacht hinaus, nahmst einen tiefen Atemzug und spürtest den Duft der Stadt. Wie eine Wüste breitete sie sich aus vor Deinem Fenster. So viele Düfte, doch kein einziger passte zu Dir. Du hast ihn nicht erkannt, obwohl er Dich ständig umhüllt und Du ein Teil von ihm bist. Dann schließt Du das Fenster…

    Wunderbar passt das Rilke-Gedicht zu Deiner zauberhaften Musik. Danke und liebe Grüße, Gisela

    Gefällt 1 Person

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