Welttag des Bewusstseins für narzisstischen Missbrauch

„Wenn meine Wunden sichtbar wären,
würdest Du verstehen,
warum ich so lange gebraucht habe zu heilen.
Du wärst überrascht, dass ich noch lebe.“

Quelle: If My Wounds Were Visible

Viel Leid hätte verhindert werden können, wenn man Bescheid gewusst hätte.

Viel Leid könnte künftig vermieden werden, wenn man Bescheid wüsste.

Vor diesem Hintergrund wurde der jährlich am 1. Juni, also auch heute, stattfindende Welttag des Bewusstseins für narzisstischen Missbrauch begründet.

Deutschland ist in dieser Hinsicht noch ein Entwicklungsland. Das ist nicht zu unterschätzen. Denn es kann jeden betreffen.

Jemandem aus dem Weg zu gehen, der so auftritt wie ein bestimmter Ex-Präsident der USA, ist auf den ersten Blick relativ leicht. Doch kannst du dir vorstellen, dass deine beste Freundin, dein bester Freund – der oder dem du über viele Jahre vielleicht zwar selten, doch dann umso intensiver begegnest -, die oder der so unglaublich liebevoll, selbstlos, hilfsbereit, empathisch und tief mitfühlend ist, eine Narzisstin oder Narzisst sein könnte, die oder der dem Partner oder der Partnerin immer wieder das Leben zur Hölle macht? Kannst du dir vorstellen, dass all das Gute und das Mitgefühl nur gespielt und gespiegelt ist, von allen unbemerkt?* Nein, das kann sich niemand wirklich vorstellen. Doch das gibt es, und es wird „verdeckter Narzissmus“ genannt, und nicht selten (im Hinblick auf die eigentlichen Opfer) als die gefährlichste und bösartigste Form des Narzissmus bezeichnet. Die Masken sind perfekt, und wenn sie fallen, bricht für Betroffene die Hölle so richtig los.

„Was, wenn Du eine Person des verdeckten Narzissmus verdächtigst?
Renn! Ernsthaft mach Dich aus dem Staub! Geh, lass Dich nicht darauf weiter ein! Versuche, es anderen oder der Person selbst, zu erklären, rauben Kraft, sind meist zwecklos und provozieren eine gefährlichere Situation. Kaum jemand kann das verstehen, die Masken sind perfekt, (…).“

Bösartig und gut getarnt – Verdeckter Narzissmus, Schutzgarten, 2018

Es ist wichtig, Bescheid zu wissen. Es ist wichtig, in der Gesellschaft ein allgemeines Bewusstsein für dieses Thema zu entwickeln. Zu viel Nichtwissen, Halbwissen und Falschwissen grassiert, oft selbst bei Psychologen (soweit sie nicht Spezialisten auf dem Gebiet sind).

Für die Opfer ist es extrem schwierig, sich aus solchen Beziehungen zu lösen, erschaffen Narzisstinnen/Narzissten bei Ihnen doch ziemlich schnell eine emotionale Abhängigkeit, so dass eine Trennung sich als „kalter Entzug“ wie bei einem Drogenentzug gestaltet. Und wenn man dann von dem Thema „Narzisstischer Missbrauch“ noch nie etwas gehört hat, meint, einen normalen, einsichtsfähigen Menschen vor sich zu haben, tragen bei all den wundersamen Höllenerfahrungen dennoch (neben vielleicht auch echter Liebe zur Narzisstin/zum Narzissten) die Hoffnungen auf Einsicht dazu bei, dass man jahrelang (manche jahrzehntelang, mit Ehe und Kindern…) in einer solchen Beziehung für eine Liebe kämpft, die so unerkannt einseitig ist. Folgen dann Trennung und Entzug, dann ist ein Ende des Leids noch nicht abzusehen; sichtbar wird nun erst recht das seelische Trümmerfeld, das die Narzissten bei ihren Opfern hinterlassen haben. Oft folgen noch „on top“ Schmierenkampagnen (und Schlimmeres) der Narzisstin/des Narzissten gegen die Opfer, der Verlust des gemeinsamen Freundeskreises, welcher mehr der Narzisstin/dem Narzissten glaubt, welche/r sich gekonnt als Opfer und das eigentliche Opfer als Täter darstellt, usw. usf. „Sie glauben gar nicht, wie gekonnt die manipulieren!“ sagte neulich eine Psychologin, die sich in der Materie sehr gut auskennt. Es hat schon einen Grund, warum man in der „Szene“ bei Opfern, die da herausgekommen sind, von „Überlebenden“ spricht.

„Der andauernde Einfluss des narzisstischen Missbrauchs auf die Opfer ist ähnlich wie bei einem Kriegsgefangenem (Brown, 2016). Es ist einfach ein zu großes Problem, um es weiter zu ignorieren. Wir müssen jetzt handeln, um den Lauf der Dinge aufzuhalten, dabei helfen, den Opfern das nötige Wissen zur Verfügung zu stellen, damit sie von ihren narzisstischen Missbrauchern flüchten können. Natürlich auch hoffentlich, dahingehend vorzubeugen, dass noch mehr Menschen, Narzissten zum Opfer fallen.“

Warum benötigen wir dringend ein Bewusstsein, narzisstischen Missbrauch zu erkennen?, Narzissmus & Bindungsangst, 2019

Viel Leid hätte verhindert werden können, wenn man Bescheid gewusst hätte. Doch man wusste nicht Bescheid. Und die Masken waren zu perfekt.

_______________________________

*Bitte nicht missverstehen: Ich möchte damit niemanden ermuntern, jemand unvorsichtig des Narzissmus zu verdächtigen. (Auch das wird teilweise bereits zu einer – gefährlichen – Modeerscheinung. Wissen hilft auch hier).

17 Gedanken zu „Welttag des Bewusstseins für narzisstischen Missbrauch

  1. Übersteigerte Selbstliebe
    sieht nur die Verletzung
    an sich selbst
    von anderen beigebracht

    nicht aber die Wunden
    die man unbedacht
    oder willentlich
    anderen angetan

    heilbar ist die Schau
    in den Spiegel
    dem fortwährenden „Echo“ nicht

    es sei denn
    man nehme die Wichtigkeit
    des eigenen „Ego“
    zu Gunsten
    von anderen zurück

    Gefällt 1 Person

    1. Ich stimme dir zu, lieber Hans.
      Ob deine Schlussaussage stimmt, kann ich nicht beurteilen. Aber sie ließe sich zumindest übertragen auf das Sich-Verhalten. Denn die Spielregeln zwischen Menschen sind auch der Narzisstin/dem Narzissten bekannt.
      Liebe Grüße an dich!

      Gefällt 1 Person

      1. Vielen Dank für Deine Antwort.

        Es kann sein, dass man in der Gegenübertragung, den Befund den anderen zuschreibt. Eine seelische Krankheit, ist für den Betroffenen und die Umwelt ein wahrhaftiges Problem.

        Vom Bekanntsein im Bewusstsein, zu Spielregeln zwischen anderen Menschen; dem Verhalten eines Kranken, dazu fehlt mir zu einer Rechtfertigung die Antwort.

        Herzliche Grüße
        Hans

        Gefällt 1 Person

      2. Ja, lieber Hans. Im Falle des Narzissmus ist es so, dass Projektionen auf die Opfer stattfinden. Es mag schwierig sein für Narzissten, objektiv auf das eigene Verhalten zu schauen und die Projektionen zu erkennen. Aber es ist möglich, denn einige tun es.

        Vielen Dank, und liebe Grüße an dich!

        Gefällt mir

  2. Lieber Stefan, in meiner Aufstellungspraxis sind mir zwei Fälle mit echten Narzissmus untergekommeen (ich rede nicht vom gewöhnlichen kontrollierten Egoismus, dem missbräuchlichen Vorspiegeln von Gefühlen, um etwas zu erlangen etc). In beiden Fällen waren es Männer, und die Frauen trennten sich schließlich erfolgreich von ihnen. Und retteten sich so, wobei auch die gemeinsamen Kinder „gerettet“ werden mussten. Das, was wirklich sehr schwer (wenn überhaupt) heilbar ist, ist der Narzissmus selbst, und ich habe tiefes Mitgefühl mit den davon betroffenen Menschen. Denn es ist die Hölle. Deine Musik drückt es aus. Keine Aussicht auf Heilung…. außer…. der Narziss fällt auf sein Gesicht, erfleht bei den Himmlischen Fülle und Erleuchtung. Vielleicht kannst du so eine Erlösung als Ende komponieren? Wie Bach, der Tritonus, den „Diabolus in musica“ am Anfang der Arie „mir ekelt zu leben“ ertönen lässt, um ihn dann in volle Harmonie zu überführen.
    Solange der Narziss ins Gesicht der anderen Menschen starrt, sieht er sich nur selbst wie in einem Spiegel, und sein Herz bleibt leer. Das ist sein Abgrund, sein Leiden. Er muss sich dem Göttlichen öffnen.

    Gefällt 5 Personen

    1. Liebe Gerda,

      vielen Dank für deine Gedanken!

      Nun bin ich unsicher, ob ich dich richtig verstehe… Tiefes Mitgefühl mit den Opfern der Narzissten, oder tiefes Mitgefühl mit den Narzissten? Und in welchem Fall?
      Allgemein gesprochen: Ich gehe konform mit einigen Spezialisten, wenn sie sagen: Die Narzisstin/der Narzisst ist erwachsen und in vollem Umfang verantwortlich für das, was sie/er tut oder unterlässt. Mitgefühl mit der Narzisstin/dem Narzissten kommt einer Täter-Opfer-Umkehr gleich. (Etwas anderes kann nur gelten, wenn die Narzisstin/der Narzisst mit Selbsterkenntnis beginnt, sich ernsthaft in Therapie begibt und in diesem Rahmen leidet.) Missbrauch ist immer Täterschaft, und bei einem bedeutendem seelischen Schaden des Opfers, was ja die Regel ist, sogar strafbar (wenn nachweisbar, was in der Praxis das Problem ist). Die Narzisstin/der Narzisst leidet m.W. (ich bin kein Spezialist) unter dem eigenen Narzissmus auch nur in zwei Fällen: Bei fehlender Zufuhr und bei Selbsterkenntnis. Letzteres meiden Narzisstinnen und Narzissten wie die Pest (das ist eine psychische Hürde, kaum eine rationale. Nun, sie sind erwachsen und verantwortlich.). Fehlende Zufuhr bedeutet im Klartext: Sie können gerade niemanden missbrauchen. Narzisstinnen und Narzissten haben dieses Problem, wenn ich das richtig beobachte, aber nur selten. Meist vergnügen sie sich glücklich schon mit ihren neuen Opfern, während das vorherige gerade zerbricht (oder während sie gleichzeitig auf ihren vorherigen Opfern noch herumtrampeln). Aus meiner Sicht ist da kein Raum für Mitgefühl mit einer Narzisstin/einem Narzissten. Es sei denn, wie gesagt, sie beginnen mit Selbsterkenntnis und dem Wunsch nach Heilung/Änderung – und falls du das meinst: Da bin ich dann ganz bei dir! Und wäre auch ganz und mitfühlend bei der Narzisstin/dem Narzissten.

      Das Stück „Maskenspiel“ drückt aus, was in einer Beziehung mit einer Narzisstin/einem Narzissten vor sich geht: Der Teufel erscheint in der Gestalt eines Engels, am Anfang romantische Liebe pur, dann lüftet der Teufel seine Maske manchmal etwas, zeigt etwas von seinem wahren Gesicht, setzt sie wieder auf, Lovebombing, usw., das emotionale Abhängigkeit fördernde Heiß-Kalt-Verwirr-Spiel, emotionales Anketten und emotionales Abschneiden, bis er schließlich die Maske irgendwann ganz fallen lässt, und sein wahres Gesicht ungeschönt zu sehen ist.

      Eine musikalische Erlösung als Ende zu komponieren, ist ein richtiger Gedanke (allerdings nicht an dieses Stück, sondern als ein eigenständiges Stück; und nicht für die Narzisstin/den Narzissten erlösend). Wir werden sehen, wann es soweit ist.

      Nochmals meinen Dank,
      und liebe Grüße an dich!

      Gefällt 2 Personen

      1. Opfer sind die Menschen, die in seine Fänge geraten – selbstverständlich, und nie käme ich auf die Idee, sie zu Tätern zu erklären. Doch können Opfer sich „retten“, indem sie sich radikal trennen, und dabei habe ich in den genanntens Fällen geholfen. Es geht, es ist möglich. Und wenn sie sich befreit haben, können sie normal leben.
        Wichtig ist freilich die Aufklärung, dass der Narzist nicht aus Bosheit handelt. Man braucht ihn nicht zu hassen, nicht zu verurteilen. Narzissmus ist eine schwere Krankheit der Seele, und ihre Heilung ist fast aussichtslos. Darum habe ich tiefes Mitgefühl mit ihm. Aber ich würde mich ihm nie anders als in therapeutischer Absicht zuwenden. In Krisen kommt es vor, dass er seine absolute, unerträgliche innere Leere begreift. Aber er kann sie nicht füllen. Er ist ein Opfer seiner seelischen Erkrankung.
        Liebe Grüße und Danke für deine Antwort und für deine Musik,die mich tief ergreift.

        Gefällt 2 Personen

      2. Liebe Gerda,

        wenn wir nicht über den Narzissten sprechen, der beginnt sich zu reflektieren, sondern über die Fälle, um die es bei dem Welttag und in dem Beitrag geht, dann muss ich hinsichtlich der Bosheit klar widersprechen. Abseits philosophischer Feinheiten geht es bei dem Bösen um eine moralische Wertung. In mancher Hinsicht ist es Narzissten aufgrund fehlenden echten Mitgefühls sicher erschwert, ein ethisches Fundament in sich zu begründen. Aber der Moral sind sich Narzissten sehr wohl bewusst; gerade verdeckte Narzissten könnten sonst nicht so brillant die moralisch einwandfreie Person spielen (Michael hatte zum Beitrag „Vergebene Liebesmüh: Vergiss diese Menschen“ schon mal die Unterscheidung Empathie – Mitgefühl erläutert). Sie brechen nicht nur die Spielregeln der Moral in Eigeninteresse, sondern richten sich mit ihrem Verhalten gegen ihre Opfer, lassen deren Interesse und Wohlergehen unberücksichtigt und schädigen sie (i.d.R. massiv). So etwas nennt man üblicherweise böse. Selbst im Hinblick auf die jedermann unmittelbar einleuchtende Goldene Regel bedarf es nicht mal eines Sich-Einfühlens in das Gegenüber, es genügt ein klein bisschen Grips, um ihre Logik zu verstehen. Das wenden Narzissten sogar an – aber nur in ihrem Eigeninteresse. Wer sich aber jedweden Abgleichs zur Einsicht entzieht, um sein Eigeninteresse durchzusetzen, im vollen Wissen um die Spielregeln und ihre Grundlagen, und damit Menschen zugrunde richtet, der ist schlicht und ergreifend böse. Ja, Viele können, vielleicht ein Großteil kann irgendwann wieder normal leben. Aber die Resilienzen der Menschen sind unterschiedlich. Würdest du manche Geschichte lesen, wie Viele durch und nach narzisstischem Missbrauch nicht nur in Krisen, wie der Narzisst, wie du schreibst, sondern über Jahre unerträglich leiden, an Depressionen, Angststörungen, Essstörungen und anderen psychischen Erkrankungen, ihre Zukunft verbaut ist, weil sie sich auf keine Beziehung mehr einlassen können, usw…. Wie schon geschrieben: Während der Narzisst sich bald schon wieder vergnügt. Ganz zu schweigen von denen, die bei narzisstischen Eltern von klein auf so etwas mitmachen müssen (und manchmal für immer geschädigt sind).

        Ich habe Respekt davor, dass du mitfühlst, und bitte mich da nicht falsch zu verstehen. Ich danke dir für deine Gedanken!

        Liebe Grüße an dich!

        Gefällt 2 Personen

  3. Lieber Stefan!
    Langsam höre ich mich ein und bemerke, dass Deine Musik einzigartig ist. Ein paar Takte genügen mir, um zu wissen: Das bist Du, der da komponiert, kein anderer.
    Nach dem Lesen Deiner Antwort an Gerda kam mir der Gedanke, Du könntest ein Oratorium schreiben: „Persona narcisista“, mit dem Gedanken an Person als Maske.
    Es dürfte keine Oper sein, sonst käme am Ende dem Narzissten eine Rolle zu.
    Aber ein Oratorium, in dem der Protagonist begleitet wird auf seinem (Leidens-)Weg, vielleicht eine Passion?
    Rezitative, die lakonisch berichten, was geschieht; Arien, die den Schmerz des Opfers sichtbar machen; Chöre, die das Opfer warnen und so die Untat kenntlich machen…
    Ich denke darüber nach, was es bedeutet, für seine Handlungen verantwortlich zu sein. Das entlastende „nicht-anders-gekonnt-haben“, sei es aus Unwissen oder Krankheit, es erscheint mir unangemessen.
    Was ich auch tue, sei es als Narzisst, sei es in Depression, sei es in Manie: verantwortlich handle ich nur dann, wenn ich mich für meine Taten als die meinigen zur Rechenschaft ziehen lasse.
    Nur dann missbrauche ich die Diagnose nicht zur Amnestie, sondern zur ehrlichen Selbsterkenntnis mit dem Schluss
    – für die Folgen meines Tuns einzustehen
    – im Wissen darum alles zu unternehmen, damit ich es nie wieder tue.
    Das Vorbild ist Ödipus. Er wusste nicht, dass er seinen Vater erschlug und seine Mutter heiratete, aber er nahm die Folgen auf sich.
    Das ist jedem Täter nicht nur zumutbar: es ist ihm aufgegeben.
    LG Michael

    Gefällt 1 Person

    1. Lieber Michael,

      das ist eine tolle Idee, und gleich ein fertiges Konzept! Auch wenn es eine Nummer zu groß für mich ist, reizt es mich doch. Wenn der Gedanke reift und es mich irgendwann überkommt, dann müsste das Libretto aber von dir stammen!

      Hinsichtlich der Verantwortlichkeit sehe ich das genauso wie du. Es gibt psychische Beeinträchtigungen oder Phasen darin, da mag man vielleicht nicht verantworten können. Narzissten aber haben einen klaren Kopf. Und dann ist es genau so, wie du es sagst.

      Vielen Dank!

      Liebe Grüße an dich!

      Gefällt mir

  4. Als ehemaliger Psychologe, der auch mit Narzissten zu tun hatte, und auch als persönlich Betroffener, würde ich gerne noch meinen Senf dazugeben. Narzissmus ist ein Persönlichkeitsmerkmal, das weit verbreitet ist und das heute eher dimensional (wie die Intelligenzverteilung in der Bevölkerung) als kategorial (schwanger oder nicht schwanger) verstanden wird. Insofern gibt es haufenweise leichte Formen des Narzissmus, was sich dann so äussert, dass die Betroffenen als Egoisten oder im besten Fall auch nur als stark erfolgsorientiert wahrgenommen werden.

    Klinisch relevant beziehungsweise gefährlich für andere wird Narzissmus also erst ab einem gewissen Schweregrad. Das Problem dabei ist die Diagnostik. Narzissten sind in aller Regel so gewieft, dass sie genau wissen, was sozial erwünscht ist und sie somit ihre Defizite problemlos leugnen können. Dies sowohl im diagnostischen Gespräch wie auch bei den üblichen Testverfahren. Ein Narzisst kommt in der Regel nicht wegen seiner Persönlichkeitsstörung in Behandlung, sondern wegen einer depressiven Krise oder einer forensisch relevanten Auffälligkeit. So bleibt auch schwerer Narzissmus leider häufig unentdeckt. Denn auch wenn ein Narzisst leidet, so sucht er die Ursache stets bei den anderen, nicht bei sich selbst. Er sieht in der Regel selbst keinen Bedarf, diese Störung therapeutisch anzugehen.

    Wirklich dramatisch wird Narzissmus, wenn er komorbid mit Psychopathie, sprich einer dissozialen Persönlichkeitsstörung, auftritt. Diese Menschen sind absolut kalt, kennen keine Empathie, auch wenn sie wissen, wie sie diese vorspielen können. Man sollte sie aus eigenem Interesse auf jeden Fall meiden, sofern man sie als solche zu erkennen vermag.

    Ich bin übrigens schon mein Leben lang betroffen, also nicht durch eine Lebenspartnerin (zum Glück!), aber meine Mutter ist leider eine recht ausgefuchste Narzisstin, dimensional gesehen an der Schwelle zur klinischen Relevanz. Das prägt enorm und man muss sich in solchen Fällen den eigenen narzisstischen Tendenzen umso kritischer stellen, um nicht ein ähnliches Schicksal zu erleiden.

    LG „Tom“

    Gefällt 3 Personen

    1. Ich wusste gar nicht, dass du Psychologe warst… Für deine näheren Ausführungen danke ich dir!

      Bei dem Welttag und in meinem Beitrag geht es natürlich um die Fälle, in denen ein narzisstisches Verhalten auf der einen Seite einen großen Schaden auf der anderen Seite anrichtet. Das sind dann wohl die Fälle, die du klinisch relevant nennst.

      Einen Fall mit einer narzisstischen Mutter kenne ich auch persönlich, und ich fürchte, für den Betroffenen ist es zu spät…

      Vielen Dank, lieber Tom (jetzt weiß ich nicht, ob ich deinen wirklichen Namen hier nennen darf, und lass es deswegen lieber)!

      Liebe Grüße an dich!

      Gefällt 1 Person

      1. Ja, das mit meinem Namen… Du warst ja auch schon auf meiner Fotowebseite zu Besuch und kennst daher wohl bereits meinen richtigen Namen. Ich habe mir seinerzeit mit meinen früheren Webauftritten, die teils engagiert, aber nicht immer so ganz politisch korrekt waren, eine Anonymität geschaffen, auch um mich in meinem Beruf zu schützen. Das war damals zwar auch etwas kindisch, aber ich habe mich so sehr an diesen Tom und seine Schrullen gewöhnt, dass er inzwischen mein Alter Ego geworden ist…
        LG Franz alias Tom

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s