Schutz im Garten

Heute mal nur etwas Schönes…

Vielleicht haben einige neulich über die Kommentare mitbekommen, dass mich das Wildentenpärchen seit kurzem wieder täglich besuchen kommt. Wenn sie mich im Haus sehen, oder ich mal kurz auf die Terrasse gehe, kommen sie immer gleich angewatschelt, um sich eine Portion Futter abzuholen.

Gestern ist etwas unglaubliches passiert. Ein fremder Erpel, auch eine Stockente, aber etwas größer und kräftiger als „mein“ Erpel, landete im Garten. Vermutlich wollte er das Entenweibchen missbrauchen. Es gab auf dem Teich einen Kampf zwischen den Erpeln, später saß der fremde Erpel auf der Wiese neben dem Teich, während „mein“ Pärchen unruhig auf dem Wasser herumschwomm. Als ich auf die Terrasse ging, kam „mein“ Entenpärchen wie immer sofort angewatschelt, doch diesmal sehr unruhig, und immer nach dem fremden Rivalen schielend… Ich holte den Futtereimer, und streute etwas Futter hin. Normalerweise schnäbelt die Entendame schon in meine Fingerkuppen vor Gier, wenn ich nicht aufpasse, doch dieses mal ignorierten zu meiner Verwunderung beide das Futter völlig, liefen unruhig hin und her, doch immer direkt bei mir. Vorsichtig ging ich zu dem fremden Erpel, der mich misstrauisch beäugte… Währenddessen watschelte „mein“ Pärchen auf die Terrasse. Da begriff ich erst: „Mein“ Entenpärchen hatte vor dem fremden Erpel bei mir Schutz gesucht! Wer ein bisschen um Wildtiere und ihr Verhalten weiß, wird verstehen, dass das wirklich etwas Unglaubliches ist.

Diese kleine gestrige Episode hat mich sehr berührt. Vielleicht auch, weil meine Beziehung zu Tieren ohnehin sehr tiefgehend ist. Eine ganz besondere gegenseitige Bindung hatten damals mein Bordercollie und ich, vom Tag seiner Geburt an. Vor ca. 2 Jahrzehnten hatte ich für ein paar Jahre Gesangsunterricht. Immer wenn ich in meinem Arbeitszimmer anfing mich einzusingen, kam er gleich an. Ich ließ ihn ins Zimmer, und – ihr ahnt es schon – so übten wir gemeinsam das Singen. Er sang übrigens viel schöner als ich. Seine Lieblingsarie war immer „Se tu della mia morte“ von Scarlatti 1, da sang er besonders begeistert mit …

Da sag noch mal einer, Kunst und Musik sei das, was den Menschen vom Tier unterscheidet. Wusstet ihr eigentlich, dass es sogar eine Wissenschaft gibt, die sich der Musik der Tiere widmet? Von der Zoomusikologie hatte ich jedenfalls noch nie etwas gehört, bis ich gestern bei Der Schutzgarten davon las.

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1 Eigenartigerweise war der Text dieser Arie wie eine Prophezeiung späterer Geschehnisse, die zu diesem Blog führten… Er lautet:

Se tu della mia morte
a questa destra forte
la gloria non vuoi dar, dalla ai tuoi lumi,
e il dardo – del tuo sguardo
sia quello che m’uccida e mi consumi
.

***

Notiz eines Tages mit an Übermut grenzender guter Laune, Hektik, Besprechungen und Sonnenschein.

18 Gedanken zu „Schutz im Garten

  1. Was für eine schöne Geschichte. 🙂 Beziehungen zwischen Mensch und Tier sind etwas ganz Besonderes finde ich. Deine Musik drückt ganz wunderbar deine Freude und den Übermut aus.
    Bestimmt gibt es bald Nachwuchs in deinem Garten. 🙂
    Liebe Grüße Ariana

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    1. Ja, sie sind ganz besonders, da stimme ich dir uneingeschränkt zu, liebe Ariana! Vielen Dank!
      Nachwuchs wird es wohl nicht geben; die Enten wissen, dass Nachbars Katzen gerne in meinem Garten streunen. Aber ihr Besuch freut mich immer! 🥰
      Liebe Grüße an dich!

      Gefällt 1 Person

  2. Eine sehr sehr schöne Geschichte! Gibt es etwas berührenderes als dies: Wesen Schutz zu bieten, die diesem Schutz vertrauen?
    Ist Deine Marginalie dazu ein Wildentenlied (ohne Worte)?
    Ich habe eine vage Idee davon, was den Menschen vom Tier unterscheidet und das ist, dass der Mensch das Tier vom Menschen unterscheidet und das Tier nicht. Nur so ein Gedanke, unausgereift…
    Nach dem Lesen habe ich mich gefragt: was ist Musik? Ist Musik das, was als Musik gemacht wird, oder das, was als Musik gehört wird?
    Mir ist dazu ein Wort Hans Eisslers eingefallen, der sinngemäß gesagt hat: „Öffne das Fenster und bedenke: der Lärm der Stadt ist nicht nur Lärm, sondern von Menschen gemacht.“
    Vielleicht ist Musik das Vertrauen darauf, dass der Machende und der Hörende füreinander bestimmt sind?
    LG Michael

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    1. Lieber Michael,

      ich habe nicht damit gerechnet, dass du momentan bei mir vorbeischaust… Es tut mir leid, dass es ausgerechnet auch noch dieses Thema ist. Ich habe einfach nicht so weit gedacht… Entschuldige bitte.

      Die Marginalie ist nicht auf die Enten bezogen. Sie ist vorgestern Abend entstanden, als Eindruck des zugehörigen Tags. Irgendwie gehörte sie dennoch hier hin. Vielleicht wegen der Gefühle, die die Tiere auslösen…

      Dein Gedanke zur Unterscheidung von Mensch und Tier ist nicht unausgereift, sondern genial! Das sage ich nicht nur aus spontaner Emotionalität, sondern auch im Wissen um den Stand der Verhaltensbiologie, und ebenso aus einer intensiven früheren Beschäftigung mit der Tierethik (Helmut Kaplan, Peter Singer, Abolitionistischer Ansatz für Tierrechte, usw.). Deine Formulierung fasst das so kurz und prägnant zusammen, wie ich es noch nicht gehört habe! (Stellst du den Satz unter copyright oder unter creative commons?)

      Ebenso deine Gedanken zur Musik. „Vielleicht ist Musik das Vertrauen darauf, dass der Machende und der Hörende füreinander bestimmt sind?“ Gestern hatten ein befreundeter kuweitischer Komponist und ich einen kleinen Austausch genau dazu auf Facebook (https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=293816365634987&id=100050198760723 – ich weiß nicht, ob und wieviel davon ohne Account lesbar ist). Es ging darum, dass Musik eine Sprache ist, eine Sprache der Seele. Dein Satz trifft voll ins Schwarze.

      Vielen Dank, lieber Michael, und liebe Grüße an dich!

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  3. Es gibt nichts zu entschuldigen, wo wir doch hier unter uns sind…
    Alles was ich schreibe untersteht dem copyleft, es darf beliebig geteilt werden, solange ich als Autor genannt werde. 🙂
    Meine Gedanken zur Musik sind für mich ein Anfang auf unbekanntem Terrain, danke für Deine Ermutigung!
    LG Michael

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