Seinen Platz nicht vergessen

Zum ersten Mal habe ich die Musik zu einem Film komponiert. Es war eine völlig andere, für mich ganz neue Art, kompositorisch zu arbeiten. Man muss sich zurücknehmen, auch mal schweigen. Die Musik steht schließlich nicht im Vordergrund, soll vom Zuschauer oft gar nicht bewusst wahrgenommen werden. Statt einer „Linie“ und einer Entwicklung, wie in einer üblichen Komposition, werden in so einem kurzen Film ganz unterschiedliche kurze Sequenzen gebraucht. Manchmal sind es nur 2 Takte (und die Eingangssequenz besteht sogar nur aus 2 Tönen).

So zu arbeiten hat mir gut gefallen. Es ist eine Art „Für-dich-Haltung“, die meinen Part dabei nicht vergessen lässt. Ein Sich-Bescheiden ohne ein Sich-Vergessen. Einseitigkeit macht viel kaputt. Du weißt schon.

(„Ocean“, ein Kurzfilm von The Cue Tube)

Für die Nicht-Englisch-Sprachigen: Es geht in dem Video um den Ozean, seine Lebensräume und die Vielfalt des Lebens darin, im Mittelteil um die Nutzung des Ozeans durch den Menschen (musikalisch entsprechend charakterisiert und – ich konnte es mir nicht verkneifen – einmal auch musikalisch kommentiert).

Für Interessierte: Die musikalische Verknüpfung aller Sequenzen habe ich versucht herzustellen, indem alle Sequenzen auf einer einzigen pentatonischen Skala (a-h-cis-fis-gis) beruhen, gelegentlich sextatonisch erweitert (dis).

7 Gedanken zu „Seinen Platz nicht vergessen

  1. Sehr interessant Stefan.
    Ich denke Filme sind nichts ohne den musikalischen Hintergrund.
    Unterstreichen sie doch die Gefühle die rübergebracht werden wollen oder verstärken sie sogar.
    Danke für die deutsche Erklärung und deine jeweiligen Noten. Ich lerne seit einiger Zeit ein Musikinstrument und weiß somit in welchen Bereich du dich bewegt hast.
    LG, Nati

    Gefällt 1 Person

    1. Ich danke dir, Nati. Ja, das ist richtig, wobei bei dieser Art von Filmen die Gefühlsansprache natürlich zurückhaltend erfolgen muss (aber nicht fehlen sollte). Zu den Noten muss ich errötend (das Vergessene) ergänzen, dass in dem Teil, in dem es um die Nutzung des Ozeans durch den Menschen geht, ich den lydischen Modus verwendet habe (f-g-a-h-c-d-e). Der diabolische Tritonus ist da so schön dominant…
      Liebe Grüße!

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s