Selbstportrait eines Vergessenen

 

Selbstportrait eines Vergessenen

Schält‘ ich mich doch aus der Rinde faltiger Kälte,
Schelt‘ ich mich doch selbstvergessenen Ästelns,
Fällt‘ ich mich doch ohne Fragen, wer mich hälte,
Fällt mich doch, beendet doch mein blindes Nesteln.

Prophezeit wurde einst aus Sand im Winde,
unbestimmt dem un?vergessenen Kinde,
kein Tor dem Toren zu Brunnen und Linde,
nur ein eingewachsenes Herz in kalter Rinde.

Sänge ich ab, zeigte Kairos sich noch immer taub,
Rindenherz ohne Echo, ein Tacet mit Fermate,
Strengte ich mich an, blies Boreas schon Staub
vor verschlossener Tür zur verfallenden Kemenate.

Locus amoenus, du heiliger Ort,
in deinem Wasser gespiegelt mein Wort,
zum Gärtner erhoben wurde Luzifer dort,
gefangen in Rinde, ich komme nicht fort.

Wartend, im Schatten ihrer rasend irrer Totentänze,
liegt ein knospender Kirschzweig dort an der Grenze.

Ein Gedanke zu „Selbstportrait eines Vergessenen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s